Deutschlands größter Pflegedienst

Kaum Anerkennung für die Pflege der Angehörigen daheim. Experten wollen Verbesserungen. Foto: Symbolbild
© dpa, Oliver Berg

Anrechnung der Pflegezeit auf die Rente?

Millionen Bürger pflegen ihre Angehörigen zuhause, ohne Ausbildung, unter unglaublichem Einsatz, oft über die Belastungsgrenze hinaus. Viele übernehmen die Aufgabe neben dem normalen Job, oft nimmt die Pflege aber so viel Zeit und Aufwand in Anspruch, dass der Job aufgegeben muss. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will jetzt die enormen Belastungen von pflegenden Angehörigen mindern.

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Bei einem Spitzentreffen mit rund 25 Vertretern der Branche von Sozial- und Patientenverbänden sowie der Länder beriet Rösler über Verbesserungen der Leistungen für die Betroffenen. So könnten Pflegezeiten für die Rente angerechnet werden oder es könnte Angebote zur Erholung auf Kassenkosten geben. Das Problem an der Sache ist das übliche: "Nicht all das, was wünschenswert ist, ist auch finanziell machbar", dämpfte Rösler die Erwartungen. Einen Gesetzentwurf für die Pflegereform kündigte Rösler bis Mitte des Jahres an. Über die Finanzierung werde erst zum Schluss der Verhandlungen geredet.

Zu den rund 1,6 Millionen Angehörigen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung, die zuhause betreut werden, kommen noch bis zu 2,5 Millionen Demente und andere Hilfsbedürftige, die keine Leistungen erhalten. Rösler hatte bereits eine Erholung nach dem Vorbild der Mutter-Kind-Kuren in Aussicht gestellt.

"Der größte Pflegedienst in Deutschland sind die Angehörigen", sagte der Präsident des Pflegerates, Andreas Westerfellhaus. "Viele Angehörige gehen über ihre Grenzen hinaus und müssen ihr Leben umorganisieren", sagte er. In der Regel seien sie 24 Stunden für ihre Verwandten da. Viele geben ihren Job auf, plagen sich mit Behördengängen herum - und leisten sowohl Schwerstarbeit als auch sensible Betreuung in der Pflege. Dabei bekommen die meisten kaum Anleitung, wenig Hilfe und keinerlei Anerkennung etwa in Form von Zeugnissen.

Kritik nach dem Treffen

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte eine Grundsicherung im Alter. "Es kann nicht sein, dass ich im Alter Einbußen in Kauf nehmen muss, wenn ich meine ältere Generation pflege", sagte Verbandsexperte Stefan Etgeton.

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte die Einstufung in Pflegestufen als völlig ungerecht - Betroffenen riet sie zur Klage. "Insbesondere für pflegende Angehörige ist die wahnsinnige institutionelle Gängelung unerträglich", sagte der Geschäftsführer der Patientenschutz-Organisation, Eugen Brysch,. Zu 40 Prozent hätten Widersprüche vor den Sozialgerichten Erfolg.

Zu dem Umstand, dass über die Finanzierung erst am Ende mehrerer Treffen beraten wird meinte Etgeton, dies sei sachlich zwar gerechtfertigt. Allerdings wolle die Koalition damit wohl auch ihren Streit über eine geplante Geldanlage für späteren Pflegebedarf etwa in Form von Zusatzbeiträgen in der Pflege aufschieben. "Ich vermute, dass man den Koalitionsstreit nicht das ganze Jahr über praktizieren will."

Die eingeladenen Experten reagierten nach dem Treffen verhalten bis enttäuscht. "Wir brauchen bald Greifbares", sagte Westerfellhaus.


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