DFB-Elf ringt Holland nieder

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem Sieg gegen Holland den Einzug ins EM-Viertelfinale so gut wie perfekt gemacht. In Charkiw gewann das DFB-Team durch zwei Treffer von Mario Gomez 2:1 gegen die Oranje-Elf, die ihr abschließendes Gruppenspiel gegen Portugal gewinnen und gleichzeitig auf einen Sieg der Deutschen gegen Dänemark hoffen muss.

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DFB-Elf ringt Holland nieder
Die deutsche Mannschaft zitterte sich am Ende zum Sieg gegen Holland. © dpa, Andreas Gebert

Vor 42.000 Zuschauern im Metalist-Stadium in Charkiw war die holländische Mannschaft in der Anfangsphase das bessere Team. Die Holländer gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe, hatten mehr Ballbesitz und auch die erste große Chance. Nach einem langen Pass von Mark van Bommel enteilte Robin van Persie (6. Minute) den deutschen Innenverteidigern, tauchte frei vor Manuel Neuer auf, traf den Ball jedoch nicht richtig. Eine ähnliche Chance ergab sich für den Torjäger des FC Arsenal in der 11. Minute, als die Holländer einen schnellen Konter fuhren. Einen Pass des erschreckend schwachen Lukas Podolski fing Wesley Sneijder ab, der durch das Mittelfeld marschierte und van Persie im Strafraum in Szene setzte. Aus der Drehung hämmerte der Holländer den Ball knapp am Tor vorbei. Den einzig nennenswerten DFB-Angriff in der Anfangsphase schloss Mesut Özil (8.) ab, dessen Volley-Schuss aus 20 Metern an den Pfosten knallte.

Die deutschen Mittelfeldspieler leisteten sich zu Beginn viele unnötige Fehlpässe. Auch die Arbeit 'gegen den Ball‘ verrichtete das DFB-Mittelfeld ungenügend. Die erneut glänzend aufgelegten Mats Hummels und Jerome Boateng klärten regelmäßig in höchster Not; so auch in der 18. Minute, als Gregory van der Wiel auf der linken Seite bis zur Grundlinie zog und eine scharfe Flanke in den Strafraum brachte. Hummels schlug den Ball vor dem einschussbereiten van Persie aus dem Gefahrenbereich.

Wie schon im Auftaktspiel gegen Dänemark, in dem die Holländer auch das deutlich bessere Team waren, wurde die Oranje-Elf in der 24. Minute um den Lohn ihrer Mühe gebracht. Mit einem feinen Pass schickte Bastian Schweinsteiger seinen Bayern-Kollegen Gomez in den Strafraum. Gomez nahm den Ball in der Drehung mit, stand frei vor Martin Stekelenburg und schob lässig zum 1:0 ein, das zu diesem Zeitpunkt für die Mannschaft von Bundestrainer Löw äußerst schmeichelhaft war.

Doch die Führung gab den Deutschen Aufwind. Die DFB-Elf fand aus zwei Gründen besser ins Spiel : Zum einen setzten die Deutschen die Holländer früh unter Druck, und zum anderen wurde Schweinsteiger seiner Spielmacher-Rolle gerecht, indem der 27-Jährige das deutsche Spiel mit cleveren Pässen lenkte. In der 32. Minute leitete Schweinsteiger einen tollen Angriff ein, als er Müller über rechts auf die Reise schickte. Müller brachte den Ball dann flach in den Fünfmeterraum, wo Gomez den Ball ganz knapp verpasste. Fünf Minuten später hatten die deutschen Fans schon den Torjubel auf den Lippen. Holger Badstuber (37.) kam nach einer Freistoß-Hereingabe von Özil fünf Meter vor dem Tor frei zum Abschluss, köpfte den Ball jedoch genau in Stekelenburgs Arme. Gomez machte es kurz darauf besser. Nach einem erneut starken Zuspiel von Schweinsteiger hämmerte Gomez (38.) den Ball in den Winkel zum 2:0. Riesen-Erleichterung beim Bayern-Stürmer: "Es lasteten ein paar hundert Kilogramm auf meinen Schultern. Vor allem deshalb, weil ich drei Tage nur auf die Fresse bekommen habe", sagte Gomez.

Van Persie machte es wieder spannend

DFB-Elf ringt Holland nieder
Machte es wieder spannend: Robin van Persie. © REUTERS, MICHAEL BUHOLZER

Danach bestimmte Deutschland das Geschehen nach Belieben. Die Holländer waren geschockt und liefen dem Ball hinterher, den das DFB-Team geschickt durch die eigenen Reihen zirkulieren ließ. In der Pause wechselte Bondscoach Bert van Marwijk die Offensiv-Stars Rafael van der Vaart und Klaas-Jan Huntelaar ein, was zunächst wenig bewirkte.

Deutschland blieb spielbestimmend und hatte durch Hummels (52.) die Riesenchance zum 3:0. Der Dortmunder Innenverteidiger setzte zu einem Sprint über fast den gesamten Platz an und hämmerte den Ball aus 16 Metern auf das Tor. Stekelenburg ließ den Ball vor die Füße von Hummels abprallen, doch der BVB-Profi erwischte den Ball beim Nachschuss nicht richtig. Weil es die Holländer nicht mehr schafften, sich bis in den deutschen Strafraum zu kombinieren, hielt van Persie (58.) einfach mal aus 25 Metern drauf. Den Distanz-Kracher wehrte Neuer mit einer starken Parade ab.

Ab der 60. Minute schaltete Deutschland einen Gang zurück. Weil von den Holländern zunächst kaum Gegenwehr kam, plätscherte das Spiel vor sich hin und das DFB-Team schien wie der sichere Sieger. Mit einer starken Einzelaktion machte van Persie die Partie jedoch wieder spannend. Der Stürmer holte sich den Ball im Mittelfeld, zog einen Sprint an und knallte den Ball aus 18 Metern unhaltbar ins untere rechte Eck.

Dank des Anschlusstreffers und der vielen fanatischen Oranje-Fans drehten die Holländer in der Schlussphase auf. Ein holländischer Angriff folgte dem nächsten. Doch die DFB-Defensive verhinderte, dass sich aus den Angriffen der Holländer auch nennenswerte Chancen entwickelten. Mark van Bommel war mit dem Spiel wenig zufrieden. "Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt, aber wir sind noch nicht weg. Wir haben gut begonnen und hatten die ersten Chancen. Danach haben wir aber den Rhythmus verloren", so der Kapitän der holländischen Elf.

Einziger Wermutstropfen: Der erneut sehr starke Jerome Boateng kassierte zwei Minuten vor Spielende wegen Zeitspiels seine 2. Gelbe Karte und fehlt am Sonntag gegen Dänemark.

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