DFB-Elf versenkt 'Piratenschiff'

22.06.2012 | 23:54
DFB-Elf versenkt 'Piratenschiff' Klose traf per Kopf zum 3:1.

Deutschlands Traum vom EM-Titel lebt! Dank einer spielerischen Glanzleistung ist die DFB-Elf ins Halbfinale eingezogen. Vor 39.000 Zuschauern in Danzig erteilte die DFB-Elf Außenseiter Griechenland eine Lehrstunde. Kapitän Philipp Lahm (39.), Sami Khedira (61.), Miroslav Klose (68.) und Marco Reus (74.) versenkten beim 4:2-Sieg das 'Piratenschiff‘ der Hellenen. Giorgos Samaras (55.) und Dimitris Salpingidis (89./HE) machten das Ergebnis für das Team von Trainer Fernando Santos erträglicher. Griechenland verließ auch im neunten Duell mit dem Rekord-Europameister als Verlierer den Platz.

- Anzeige -

Joachim Löw schickte eine auf drei Positionen veränderte Startelf aufs Feld. Im rechten Mittelfeld ersetzte Reus den zuletzt glücklosen Thomas Müller, auf links rückte Andre Schürrle für Lukas Podolski in die Anfangsformation. Im Sturmzentrum musste Toptorjäger Mario Gomez Klose Platz machen.

"Das war der Tag der Veränderungen heute. Ich dachte, ich müsste nach drei Siegen etwas verändern", sagte Löw. Und die Umstellungen des Bundestrainers machten sich bezahlt. Die neuformierte Offensive um Spielmacher Mesut Özil sezierte den Defensivverbund der Hellenen.

Ob Klose, der in der 2. Minute - völlig freistehend - einschussbereit wegrutschte oder Özil (23.), dessen Schuss aus sieben Metern der Druck fehlte, die Chancen sollten im Normalfall für mehrere K.o.-Duelle reichen. Die DFB-Auswahl vergab hundertprozentige Möglichkeiten im Minutentakt und ließ Löw an der Seitenlinie Höllenqualen erleiden.

Mehr als brüchigen Beton hatten die Griechen in der Defensive nicht angerührt. Alle drei Minuten schoss ein DFB-Kicker auf das Tor von Keeper Michalis Sifakis. Bei all den Göttern, die den Griechen zur Seite standen, um einen Rückstand zu verhindern, herrschte auf dem Olymp Rush Hour. Glücksgöttin 'Fortuna' hatte wohl zu einer Freibierparty geladen.

Erst in der 39. Minute platzte Griechenlands Idee einer erfolgreichen Abwehrschlacht wie eine Seifenblase. Kapitän Lahm schnappte sich die Kugel und hämmerte den Ball aus 17 Metern in die Maschen. "Wir haben es uns unnötig schwer gemacht. In den ersten zehn, 15 Minuten hatten wir große Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Wir waren phasenweise zu leichtsinnig und zu langsam", sagte Lahm.

DFB-Team stellt Weltrekord auf

DFB-Elf versenkt 'Piratenschiff' Auch Griechenland durfte kurz jubeln.

Nach der Pause schlich sich der Schlendrian ins deutsche Spiel. Trotz Spielkontrolle fehlte der Zug zum Tor. In der 55. Minute sollte sich die Lethargie rächen: Samaras verwertete eine Flanke von Dimitris Salpingidis, nachdem Schürrle den Ball in der Vorwärtsbewegung vertändelt hatte.

Völlig unbeeindruckt vom kurzzeitigen Rückschlag platzte bei der DFB-Auswahl auch im Abschluss der Knoten - der Ausgleich wirkte wie ein Weckruf. Alles, was die Elf zuvor an Kaltschnäuzigkeit vermissen ließ, sollte fortan klappen. Angeführt von Özil und einem überragenden Khedira, der mit einem Volleyschuss auch sechs Metern höchstpersönlich den Favoriten auf die Siegerstraße brachte, machte Deutschland allen griechischen Hoffnungen den Garaus. "Wir haben es wieder einmal etwas spannend gemacht, aber nach dem Ausgleich das Tempo wieder hochgefahren. Wir haben uns viele Chance herausgespielt. Es war ein verdienter Sieg", sagte Mittelfeldmotor Khedira.

Nur sieben Minuten nach Khediras Führungstreffer verwertete Klose eine maßgenaue Freistoß-Hereingabe von Özil per Kopf zum 3:1. Die restlichen Minuten wurden zum Schaulaufen. Alle Zweifel an einem deutschen Sieg lösten sich in Luft auf. Abgesehen von wenigen Unkonzentriertheiten in der Defensive ist der DFB-Elf in dieser Verfassung wirklich alles zuzutrauen.

Mit dem Sieg stellte die DFB-Elf einen Weltrekord auf: Der Erfolg gegen die Hellenen war der 15. Pflichtspiel-Sieg in Serie. Dies gelang zuvor noch keiner anderen Nation. Die bislang letzte Niederlage kassierte Deutschland beim 0:1 im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2010 gegen Spanien.

Bereits zum achten Mal gehört Deutschland zu den besten vier Mannschaften in Europa - der vierte EM-Triumph nach 1972, 1980 und 1996 rückt in greifbare Nähe. In der Ära Löw ist es der vierte Einzug in die Runde der besten Vier bei einem großen Turnier in Folge. "Das ist schon eine Klasseleistung der Mannschaft, viermal in Folge im Halbfinale zu stehen. Wir können schon stolz sein auf die Mannschaft", so Löw.

Bildquelle: Reuters