DGB-Studie: Hartz-IV-Empfänger werden mit Problemen alleine gelassen

Keine Hilfe bei Sucht und Schulden

Mindestens zwei Millionen erwerbsfähige Hartz-IV-Empfänger haben Schulden- und Suchtprobleme. Oft einhergehend mit sogenannten psychosozialen Schwierigkeiten. Doch in den allermeisten Fällen werden die Betroffenen mit ihren Problemen und Sorgen von den zuständigen Kommunen alleine gelassen.

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Agentur für Arbeit - Jobcenter
Hartz-IV-Empfänger werden mit ihren Sucht- und Schuldenproblemen häufig alleine gelassen. © dpa, Jan Woitas

Das ergab eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Insgesamt gehe der DGB für das Jahr 2012 von gut 1,1 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern mit Schuldenproblemen aus. Von diesen würden nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) aber nur 32.500 durch die Kommunen entsprechend beraten.

Von den geschätzt 450.000 Hilfsbedürftigen mit Suchtproblemen erhielten laut Statistik lediglich 9.000 eine Beratung. Unter den 900.000 Betroffenen mit psychosozialen Schwierigkeiten sind laut DGB-Studie nur 20.000 für kommunale Hilfe gemeldet. Dabei fällt die absolute Anzahl der Hilfsbedürftigen noch gering aus. Das liegt vor allem daran, dass nur zwei Drittel aller Jobcenter ihrer gesetzlichen Verpflichtung der Datenübermittlung nachkommt.

Teufelsspirale der Probleme

Dennoch zeigt das Ergebnis, dass der große Unterstützungsbedarf der Hartz-IV-Empfänger bei weitem nicht gedeckt wird. Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums sagte, ihr Haus habe "naturgemäß großes Interesse an einer angemessenen Unterstützung der Betroffenen bei solchen Problematiken, weil sie wichtig für die Eingliederungschancen der Leistungsberechtigten sind". Man verfolge das Thema seit längerem in den für die Umsetzung von Hartz IV zuständigen Gremien des Bund-Länder-Ausschusses. "Dort wirkt der Bund daraufhin, dass die Kommunen ihrer Verantwortung nachkommen."

"Die Defizite im Hartz-IV-System bestehen vor allem darin, dass das Fordern sehr groß geschrieben wird, aber das Fördern zum Teil viel zu kurz kommt", sagte der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy der 'Saarbrücker Zeitung'. Ohne soziale Stabilisierung könnten die Betroffenen nicht nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Gerade bei Langzeitarbeitslosen erschweren oft Schulden, Sucht oder psychosoziale Probleme den Weg aus dem Leistungsbezug – häufig treten mehrere Problemlagen gleichzeitig auf, beziehungsweise bedingen oder verstärken sich gegenseitig, heißt es in der Studie. Umgekehrt führe Arbeitslosigkeit zu zunehmender sozialer Not. Der DGB fordert deshalb einen "Rechtsanspruch auf sozialintegrative Leistungen" und will das Thema verstärkt ins öffentliche Licht rücken.