Diakonie in Hildesheim: Prostitution unter Behinderten?

"Es ist ein offenes Geheimnis dort"

Die Diakonie Himmelsthür liegt beschaulich am Rande der Stadt an einem kleinen Hang zwischen Hildesheim und dem Vorort Sorsum. Einem Bericht der 'Hildesheimer Allgemeinen Zeitung' zufolge soll es dort jedoch nicht ganz so beschaulich zugehen. Behinderte sollen angeblich anschaffen gehen, um ihr Taschengeld aufzubessern.

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Diakonie, Prostitution
Auffahrt zur Diakonie Himmelsthür in Hildesheim: Haben sich dort Behinderte prostituiert? © picture alliance / dpa, Peter Steffen

Dabei beruft sich die Zeitung auf den Vater einer langjährigen Bewohnerin der Diakonie. Ihm zufolge sollen die Vorgänge vielen Betreuern bekannt sein. Dies bestätigten dem Bericht zufolge ein ehemaliger Zivildienstleistender und einige Betreuer. Der Zivildienstleistende hat angeblich selbst beobachtet, wie "schwarze Zuhälter-Limousinen" vorfuhren und mehrere behinderte Frauen mitnahmen. "Es ist ein offenes Geheimnis dort", zitiert ihn die Zeitung. Der 21-Jährige berichtete auch von einem behinderten Mann, der des öfteren nach Köln fahre, um dort auf den Strich zu gehen.

Dem Direktor der Diakonie Himmelsthür, Ulrich Stoebe, und der regionalen Geschäftsführerin Judith Hoffmann, ist hingegen nach eigenen Angaben nichts davon bekannt.

Interne Untersuchung noch ohne Anhaltspunkte

Nun ermittelt die Polizei. Die Fahnder treten bei ihren Ermittlungen allerdings auf der Stelle. Es gebe nach den bisherigen Vernehmungen keine konkreten Hinweise auf Geschädigte oder Beschuldigte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim.

Prostitution - auch von Behinderten - sei nicht grundsätzlich strafbar, sagte die Sprecherin. Dies gelte nur, wenn es sich um Menschen handele, die widerstandsunfähig seien oder wenn sie zur Prostitution gezwungen würden.

Deswegen ist auch unklar, wie weit Mitarbeiter der Diakonie eine Schuld trifft, und ob sie von den Vorgängen wussten. Viele Diakonie-Bewohner sind leicht behindert und verfügen über sehr viel Freizeit, in der sie nicht unter der Aufsicht von Betreuern stehen.

Die Diakonie will sich aktiv an der Aufklärung der Vorfälle beteiligen und hat sich auf ihrer Internetseite mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt: "Wir bitten jeden und jede, der oder die Angaben darüber machen kann, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen es zu solchen Straftaten gekommen sein könnte, sich mit den Ermittlungsbehörden oder der Diakonie Himmelsthür in Verbindung zu setzen."


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