Die große Lüge mit der Arbeitslosenzahl

Wer krank ist, ist nicht arbeitslos

3,138 Millionen Arbeitslose gibt es in Deutschland. Diese Zahl veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit und bestätigte damit einen Anstieg um knapp 300.000 im Vergleich zum Monat Dezember. "Die ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben auf dem Arbeitsmarkt nur wenige Spuren hinterlassen", betonte BA-Chef Frank-Jürgen Weise dennoch.

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Wie hoch liegt die Arbeitslosenzahl wirklich? Die BA rechnet die Zahlen schön. © dpa, Martin Gerten

Saisonale Einflüsse und eine schwächelnde Konjunktur hätten die Zahl das erste Mal seit März 2012 wieder über die Drei-Millionen-Marke getrieben. Drei Millionen? Diese Zahl verdient eine genauere Betrachtung. Denn tatsächlich sind weit mehr Menschen ohne Job als diese 3,138 Millionen. Die Regierung rechnet die Zahlen schön, das ist besonders in einem Superwahljahr wie 2013 wichtig.

Wer taucht in der Statistik also nicht auf? Zunächst einmal finden alle, die in Maßnahmen stecken, in der Statistik keinen Platz. Diese Maßnahmen tragen Namen 'Aufnahme einer Erwerbstätigkeit', 'Berufliche Weiterbildung‘ oder einfach 'Freie Förderung‘. Insgesamt waren im Jahr 2012 laut BA 957.472 Menschen 'Teilnehmer an ausgewählten Maßnahmen aktiver Arbeitspolitik‘, wie es im Beamtendeutsch dann heißt. Fast eine Million also, die in Trainings- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stecken und de facto ohne Einkommen sind.

Dazu kommen Bürger, die älter als 58 Jahre sind und als nicht mehr vermittelbar gelten. Deshalb werden sie nicht in der Statistik geführt. Doch damit nicht genug. Auch kranke Arbeitslose sind offiziell keine Arbeitslose. Und natürlich finden die Menschen keinen Eingang in die Statistik, die sich gar nicht erst zur Arbeitssuche melden.

1,2 Millionen in der sogenannten 'Stillen Reserve‘

Ebenfalls nicht als arbeitslos gelten Menschen, die 15 Stunden pro Woche arbeiten. Diese Aufstocker erhalten zusätzlich zu ihrem Einkommen Arbeitslosengeld II. Dies sind bei weitem noch nicht alle Rechenbeispiele der BA in Nürnberg. Gerne verweisen die Sprecher auf die frei zugänglichen Statistiken im Internet, in denen alle Zahlen erläutert würden. Doch nur Arbeitsrechtsexperten können diese Zahlen verstehen.

Insgesamt werden die nicht in die Statistik eingerechneten Arbeitslosen als ‚stille Reserve‘ bezeichnet. Verschiedene Institute veröffentlichten unterschiedliche Zahlen dieser Menschen ohne Job. Das Statistische Bundesamt spricht von etwa 1,2 Millionen. Addiert man diese 1,2 Millionen zu den 3,138 Millionen Arbeitslosen kommt man schon auf 4,338 Millionen, die in Deutschland keine Arbeit haben. Dazu kommt noch die Unterbeschäftigung. Unterbeschäftigte sind Menschen, die unfreiwillig weniger arbeiteten, als sie wollten. Diese Zahl übersteigt die Zahl der Arbeitslosen noch. 2011 wurde sie mit 4,152 Millionen angegeben.

Und während die Wirtschaft angesichts dieser doch bedrückenden Zahlen von einer "positiven Überraschung“ (Peter Meister von der BHF Bank) spricht, ist die BA vorsichtiger: "Für das Jahr 2013 insgesamt gilt die Überschrift: Unsicherheit", sagte Weise. "Deshalb würde ich nicht sagen, wir sind sicher auf dem Weg der Besserung. Es gibt gute Argumente, dass es nicht schlimmer werden müsste, sondern besser werden kann." Die BA gehe weiter von 2,9 bis 3,0 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und einem Verharren der Beschäftigung auf hohem Niveau aus.

Immerhin ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den vergangenen Jahren angestiegen, allerdings nahm zeitgleich die Zahl der Menschen im Niedriglohnsektor dramatisch zu. Aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte.