"Die Iren nehmen die Krise mit Humor"

Die Schuldenkrise belastet auch die Bewohner Irlands.
Die Schuldenkrise belastet auch die Bewohner Irlands. © dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Schuldenkrise belastet Bewohner

Schulden und kein Ende: Während Irlands neuer Ministerpräsident Enda Kenny versucht, im Dauerstreit mit der EU die angestrebte Senkung der Zinsen für die Hilfskredite zu erreichen, fordern die anderen Euro-Staaten eine Gegenleistung und verlangen von Irland den extrem niedrigen Satz bei der Unternehmenssteuer aufzugeben. Ein Vorschlag, der bei den Bewohnern der grünen Insel auf Skepsis stößt. Denn sie kämpfen bereits jetzt mit den negativen Auswirkungen der Schuldenkrise.

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"Es wäre schlecht für die Wirtschaft, weil viele ausländische Unternehmen wegbleiben oder gehen würde", sagt Colm Ó Muirgheasa. Der 27-jährige Ire nimmt die neue Regierung daher in die Pflicht: "Sie würden ziemlich schlecht dastehen, würden sie sich am Ende doch darauf einlassen, die Steuern für Unternehmen zu erhöhen", so der Wirtschaftsprüfer.

Auch die Deutsche Kirsten Wendenburg, die seit einem halben Jahr in der Hauptstadt Dublin lebt und arbeitet, meint: "Für Irland wäre das tatsächlich schlimm. Die ganz großen und mittelständischen Unternehmen haben hier ihren europäischen Hauptsitz, das bringt Arbeitsplätze, Steuern und Geld allgemein ins Land."

"Wir kommen zurück"

Und davon braucht Irland reichlich. Denn nach Informationen aus EU-Kreisen werden neue Finanzierungslücken bei den Banken befürchtet. Demnach sei offen, ob das bisherige Hilfspaket von EU, Euro-Ländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) für Irland ausreiche. "Derzeit verschaffen uns die Iren keine Klarheit über zwei Punkte: Deckt diese Rechnung alles ab? Was muss noch getan werden zur Restrukturierung?", so ein EU-Diplomat.

Ungewissheit, die die Einwohner Irlands belastet. "Die Regierung hat versagt. Der Financal Regulator hätte die Bankenkrise früher erkennen müssen", so Muirgheasa. "Es wird viel über die Krise gesprochen. Die Iren, aber auch die ausländischen Einwohner sind sehr besorgt", sagt die gebürtige Luxemburgerin Nadine, die nicht nur deutliche Einschnitte bei ihrem Gehalt beklagt. Die Auswirkungen der Krise seien deutlich sichtbar: "Es gibt definitiv mehr Arbeitslose. Gerade die Baubranche hat es hart getroffen", so die 24-Jährige.

"Hier ist wirklich Krise angesagt", bekräftigt auch Wendenburg. Doch während die Deutschen die Weltwirtschaftskrise zwar super weggesteckt hätten und trotzdem weiter jammern würden, "nehmen die Iren es irgendwie mit mehr Humor, als mit reiner Verzweiflung." Denn in einem sind sich alle sicher: "Wir kommen zurück!"


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