Die letzte Schicht der Schlecker-Frauen

24.03.2012 | 19:41
Schlecker, Insolvenz, Schlecker-Frauen Es ist die letzte Schicht der Schlecker-Frauen: In deutschlandweit 2.200 Filialen der insolventen Drogeriekette gehen heute endgültig die Lichter aus.

Letzter Arbeitstag für 11.000 Schlecker-Beschäftigte

Es ist der letzte Arbeitstag für 11.000 Schlecker-Beschäftigte: Heute werden 2.200 Filialen der Drogeriekette endgültig geschlossen. Doch die Hängepartie für die Betroffenen geht weiter. Erst am nächsten Mittwoch werden sie erfahren, ob sie in einer Transfergesellschaft für die kommenden Monate aufgefangen werden oder nicht.

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Einige der 2.200 Geschäfte, die Schlecker im Zuge der Insolvenz schließt, hatten schon in den vergangenen Tagen nicht mehr geöffnet, weil kaum noch Ware da war. "Der Abverkauf ist sehr gut gelaufen", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Von Montag an will das einstige Familienunternehmen dann mit seinem um 40 Prozent ausgedünnten Filialnetz zurück in die Erfolgsspur kommen. Nur so habe das Unternehmen eine Zukunft, betont Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Die 11.000 Betroffenen - fast alle sind Frauen - beschäftigt nun vor allem die Frage, ob sie in einer Transfergesellschaft vor dem Fall in die Arbeitslosigkeit bewahrt werden. Am Mittwoch will Baden-Württemberg entscheiden, ob es mit einer Bürgschaft für die Gesellschaft in Vorleistung tritt. Hoffnung gibt es: Neben den Regierungsfraktionen Grüne und SPD stehen offenbar auch viele Abgeordnete der CDU einer Bürgschaft grundsätzlich offen gegenüber.

Ringen um eine Bürgschaft für die Transfergesellschaft

Aber die Zeit drängt. Eigentlich hätte die staatliche Bürgschaft für eine Transfergesellschaft aus rechtlichen Gründen schon bis Freitagabend vorliegen müssen, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters und bestätigte damit erstmals diese Frist. Doch der Gläubigerausschuss habe beschlossen, noch bis Mittwoch zu warten. Im Finanz- und Wirtschaftsausschuss des baden-württembergischen Landtags müsse dann endgültig die Bürgschaft für die Transfergesellschaft beschlossen werden. "Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, müssten noch am Mittwochabend die Kündigungen an die rund 11.000 Mitarbeiter herausgehen."

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) macht daher Druck auf die anderen Bundesländer. Schmid forderte im Deutschlandradio politisch verlässliche Erklärungen, dass die Länder für die Finanzierung der Transfergesellschaft bürgen. Sobald die Zusagen vorlägen, könne Baden-Württemberg in Vorleistung gehen.

Der Sinn einer Transfergesellschaft ist aus Schmids Sicht "unumstritten". Es sei eindeutig nachweisbar, dass etwa Teilzeitkräfte aus kleinen Läden auf dem Land nicht einfach anderswo im Einzelhandel unterkämen. Eine regional strukturierte Transfergesellschaft müsse beim Nachqualifizieren und der Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt helfen. "Eine Weiterbewerbung aus einen festen Beschäftigungsverhältnis, das eine Transfergesellschaft anbietet, ist immer dem Sturz in die Arbeitslosigkeit vorzuziehen."

Die Schlecker-Insolvenz sei eine der größten Pleiten in der Geschichte der Republik und habe eine bundesweite Dimension, betonte der SPD-Politiker. Daher müsse man alle Instrumente der Hilfe für die Beschäftigten nutzen.

Bildquelle: dpa bildfunk