Die 'Teilzeit-Falle': Immer weniger Frauen sind vollbeschäftigt

Immer weniger Frauen arbeiten Vollzeit
Immer weniger Frauen arbeiten Vollzeit Mütter benachteiligt 00:00:24
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Mehr als doppelt so viele Frauen in Teilzeitarbeit

Ein kritischer Trend auf dem Arbeitsmarkt: Immer weniger Frauen in Deutschland arbeiten Vollzeit. Das zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung über die vergangenen 20 Jahre. Dagegen steigt seit 1991 der Anteil an Teilzeitbeschäftigten erheblich. 2010, so die Studie, arbeiteten knapp die Hälfte der Frauen höchstens 31 Stunden pro Woche – also in Teilzeit. Politische Bestrebungen, Frauen aus der sogenannten 'Teilzeit-Falle' zu helfen, blieben noch ohne Erfolg.

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Eine Studie zeigt, dass immer mehr Frauen Teilzeit arbeiten - nach dem Wechsel aus der Vollbeschäftigung hängen viele in der 'Teilzeit-Falle' fest. © picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

Die auffälligsten Veränderungen unter den geleisteten Arbeitsleistungen von 1991 bis 2010 schlugen sich im Verhältnis zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nieder. Der Anteil an Frauen, die unter der Woche zwischen 36 und 39 Stunden Vollzeit arbeiten halbierte sich im Beobachtungszeitraum nahezu. Arbeitete 1991 noch ein Drittel der Beschäftigten knapp unter 40 Stunden, war es 2010 nur noch ein Sechstel. Auch bei Männern wurde ein Rückgang der Vollzeitbeschäftigten beobachtet.

Einen extremen Aufschwung verzeichnete die kurze und marginale Teilzeitarbeit von weniger als 15 Stunden pro Woche. Innerhalb von fast 20 Jahre hat sich die Anzahl der Teilzeit-Arbeitenden mehr als verdoppelt. Auch substantielle Teilzeitarbeit (15 bis 20 oder 21 bis maximal 30 Arbeitsstunden) und die vollzeitnahe Teilzeit (32 bis 35 Arbeitsstunden) nahmen leicht zu.

Von gleichbleibender Bedeutung sei weiterhin die Vollzeitarbeit in der 40-Stunden-Woche oder noch längeren Arbeitszeiten, berichtet die Studie. Weiterhin würden ein Drittel der beschäftigten Frauen mindestens 40 Stunden pro Woche arbeiten.

CDU-Ministerinnen planen Gesetz-Entwurf

Gründe, die Frauen zu verkürzten Arbeitszeiten bewegen, sind bekannt. Häufig zwingt unzureichende Kinderbetreuung oder ein schwieriges Job-Umfeld zu der Entscheidung, trotz geringerer Bezahlung auf die Vollzeitstelle zu verzichten. Arbeitgeber bieten dabei bevorzugt kostensparende Stellen an, zum Beispiel Minijobs. Hat eine Arbeiterin erst mal auf Teilzeit umgestellt, kann ihr im Nachhinein die Rückkehr zur Vollzeitstelle verwehrt bleiben.

Für Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist das eine "rechtlich zementierte Einbahnstraße". Seit 13 Jahren gebe es den Rechtsanspruch auf Teilzeit. "Aber es gibt umgekehrt keinen Rechtsanspruch auf Wiederaufstockung. Da läuft also etwas schief", sagte Schröder in einem Interview der 'WAZ'.

Schröder und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wollen verhindern, dass Frauen zunehmend in der 'Teilzeit-Falle' festhängen. Nach Darstellung von der Leyens will ein Drittel der Mütter gern mehr arbeiten, finde sich aber nach einer gewollten Teilzeitphase "auf dem Abstellgleis". Nach den Vorstellungen der Ministerin sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Beginn der Teilzeit-Phase konkrete Vereinbarungen über eine - wenn gewünscht auch schrittweise - Rückkehr in Vollzeit treffen.

"Ich möchte das Teilzeitgesetz so ändern, dass es ein verlässliches Rückkehrrecht in Vollzeit gibt", sagte von der Leyen dem Nachrichtenmagazin 'Focus'. Eckpunkte des Gesetzes seien bereits fertiggestellt und mit dem Familienministerium abgestimmt. Schröder geht aber nicht davon aus, dass das Vorhaben noch vor der Sommerpause umgesetzt werden kann. "Es gibt Vorbehalte bei unserem Koalitionspartner", sagte sie. Man könne "leider nicht über die FDP hinwegregieren".

Die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig kritisierte, die Einsicht der beiden Ministerinnen komme "reichlich spät". Die SPD habe schon lange vergeblich ein Rückkehrrecht in Vollzeit nach familienbedingter Teilzeit gefordert. "Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode kommen Schröder und von der Leyen nun damit um die Ecke, obwohl sie genau wissen, dass die FDP dies nie zulassen wird. Das ist ein reines Wahlkampfmanöver."