Die Wahrheit über Minijobs

Diese Rechte haben Sie bei Minijobs
Diese Rechte haben Sie bei Minijobs Ansprüche als Minijobber 00:03:48
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Auch Minijobber haben Urlaub

Mit Minijob ist eine geringfügig entlohnte Beschäftigung gemeint. Und die liegt vor, wenn das monatliche Einkommen 450 Euro nicht überschreitet. Für den Arbeitnehmer bietet der Minijob den Vorteil, dass er brutto für netto erhält. Er muss keine Sozialversicherungsabgaben leisten und Steuern entrichten.

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Minijobs: Darauf müssen Sie achten!
Minijobber können bis 400 Euro im Monat verdienen und haben einen Anspruch auf Urlaub. © dpa, Patrick Pleul

Für den Minijobber bedeutet das aber auch, dass er durch den Job selber keinen Versicherungsschutz besitzt. Durch die pauschalen Beträge des Arbeitgebers zur Krankenversicherung entsteht für den Minijobber kein eigenes Krankenversicherungsverhältnis. Er muss sich also anderweitig krankenversichern, z.B. über die Arbeitsagentur oder den Ehepartner. Auch erhält er kein Arbeitslosengeld, wenn er seinen Minijob verliert. Immerhin erwirbt der Minijobber durch den Pauschalbetrag des Arbeitgebers einen kleinen Rentenanspruch.

Den Rentenanspruch kann er sogar selber aufstocken, indem er freiwillig einen bestimmten Betrag einzahlt. Daraus ergeben sich für den Minijobber auch weitere Vorteile: Die in die Rentenversicherung eingezahlten Beitragsmonate werden in vollem Umfang für die Erfüllung verschiedener Wartezeiten und für die Aufrechterhaltung des Schutzes im Falle einer Erwerbsminderung berücksichtigt. Außerdem werden die Zugangsvoraussetzungen für eine Riester-Rente erfüllt.

Auch sonst besitzen Minijobber Rechte wie in Voll- oder Teilzeit angestellte Arbeitnehmer. Wird der Minijobber krank, hat er für diese Zeit einen Anspruch auf Fortzahlung des regelmäßigen Verdienstes. Das gilt für maximal 42 Tage (ca. 6 Wochen) wegen derselben Erkrankung. Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall entsteht nach vier Wochen im Minijob.

Wie jeder Arbeitnehmer auch haben Minijobber einen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Wie viele Tage das tatsächlich sind, richtet sich nach dem persönlichen Beschäftigungsverhältnis. Für die Berechnung gilt folgende Formel: Die Individuellen Arbeitstage pro Woche werden mit 24 (jährlicher Mindest-Urlaubsanspruch in Werktagen) multipliziert und das Ergebnis durch 6 (übliche Arbeitstage Montag bis Samstag) dividiert. Geht also ein Minijobber zweimal die Woche seiner Tätigkeit nach, hat er Anspruch auf (2 * 24 : 6 =) 8 Tage Urlaub.

Die dunkle Seite: Minijob als Niedriglohnfalle

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung entwickeln sich Minijobs zu einer Niedriglohnfalle. Fast 90 Prozent der Minijobber werden demnach mit Niedriglöhnen abgespeist. Beschäftigte, die gleichzeitig Hartz IV beziehen, verdienen besonders wenig: 58 Prozent der 1,2 Millionen Beschäftigten, die in Deutschland weniger als 5 Euro die Stunde erhielten, arbeiteten in Minijobs.

Vor der Annahme eines Minijobs sollten Arbeitnehmer sich über die tariflich vereinbarten Löhne erkundigen. Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund können Minijobber den gleichen Tariflohn verlangen wie ein Arbeitnehmer in einer vergleichbaren sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit, wenn ein Tarifvertrag vereinbart ist. Liegt der mit dem Arbeitgeber vereinbarte Lohn ein Drittel unter dem Tariflohn, dann sei er sittenwidrig. In so einem Fall könne der Arbeitnehmer den Arbeitgeber verklagen.

Etwas besser gestellt sind die Arbeitnehmer, die mit einem Minijob ihr Gehalt aufbessern wollen. Einen Minijob können Sie sozialversicherungsfrei neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausüben. Jeder weitere Minijob wird auf die Hauptbeschäftigung angerechnet und ist nicht mehr sozialversicherungsfrei. Hat ein Arbeitnehmer mehrere Minijobs nebeneinander ohne versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung, dann ist kein einziger Minijob versicherungsfrei.


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