Diskussionen um Integrationsstudie – Ergebnisse gefälscht?

Die neue Integrationsstudie ‘Lebenswelten junger Muslime in Deutschland‘ sorgt für heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit.
Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) will die Ergebnisse der Integrationsstudie überprüfen lassen. © Ralph Sondermann/MAIS NRW, Ralph Sondermann

"Große Mehrheit der Muslime ist bereit sich zu integrieren"

Die Studie 'Lebenswelten junger Muslime in Deutschland' sorgt für heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit. Seit ihrer Publizierung durch das Bundesinnenministerium gestern, überschlagen sich die Reaktionen von Integrationsvereinen und Oppositionspolitikern. Jetzt tritt ein neuer Aspekt ans Tageslicht – die Forschungsergebnisse könnten möglicherweise falsch sein.

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Laut des nordrhein-westfälischen Integrationsministers Guntram Schneider (SPD) widersprechen die die Erkenntnisse der Integrationsstudie ihrer Vorläuferstudie 'Muslimisches Leben in Deutschland', die das Bundesinnenministerium bereits im Juni 2009 veröffentlicht hatte. An sich nichts Ungewöhnliches, wenn nicht auf Grundlage dessen eine weitere Studie erstellt worden wäre, die zu anderen Erkenntnissen gelangt. Schneider sagte: "Wir haben in NRW – und hier lebt immerhin ein Drittel der in Deutschland lebenden Muslime – ganz andere Ergebnisse erhalten. Aus unserer Studie 'Muslimisches Leben in NRW' aus dem Jahr 2011 geht hervor: Die große Mehrheit der Muslime ist bereit, sich zu integrieren".

Die Entscheidung des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) eine Untersuchung zu veröffentlichen, die das Gegenteil suggeriere, sei fatal, erklärte der nordrhein-westfälische-Minister. "Die aktuelle Studie unterstellt: Ein erheblicher Teil der jungen Muslime seien Feinde der Demokratie. Das Gegenteil ist der Fall", sagte Schneider. Die Zahlen der Studie aus dem dichtbesiedelsten Bundesland, für die 2.477 Muslime befragt wurden, zeige: "Gerade die jungen Muslime fühlen sich als Teil der deutschen Gesellschaft. Knapp 80 Prozent unterhalten häufige Kontakte zu Deutschen. Und je höher ihr Bildungsabschluss, desto mehr Kontakte zu Deutschen finden statt".

Der Integrationsminister gab zu bedenken, dass Friedrich mit der Bekanntgabe der Ergebnisse junge Muslime stigmatisieren und so nicht nur unter Terrorverdacht stellen, sondern auch zu Demokratiefeinden abstempeln würde. Um dieser Vorverurteilung entgegen zu treten "wird das nordrhein-westfälische Integrationsministerium die aktuelle Bundesstudie und ihre Methodik genau prüfen", gab Schneider bekannt.

"Ein Muslim ist nicht gleich ein Muslim"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) forderte als Konsequenz aus der Integrationsstudie nicht nachzulassen bei den Schritten den Islam anzuerkennen. Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek erklärte: "Die Studie kommt selbst zu dem Schluss, dass etwa Kopftuch- oder Minarettverbote nur den Extremisten nutzen." Es sei falsch, den Islam verallgemeinernd als repressiv und gewalttätig darzustellen. "Dann wenden sich die jungen Leute aus Frust erst recht dem Fanatismus zu."

Mazyek rief die Politik dazu auf, den jahrelangen Einsatz der islamischen Verbände im Kampf gegen religiösen Extremismus stärker anzuerkennen und die Verbände mehr als Partner zu sehen. "Wir müssen weg von dieser Spaltung in 'Wir' und 'Ihr'." Richtig verstanden, sei der Islam, wie die Mehrheit der Muslime zeige, kein Hindernis für Integration.

Mängel der Studie erkennt Mazyek vor allem in dem Gebrauch des Begriffes 'Muslim'. "Ein Muslim ist nicht gleich ein Muslim", sagte der ZMD-Vorsitzende auf RTL-Anfrage. Man müsse grundsätzlich darin unterscheiden, ob jemand sich lediglich einer Religion zugehörig fühle oder auch tatsächlich nach dieser handele. Es gäbe nicht nur verschiedene Glaubensrichtungen innerhalb des Islams, sondern eben auch unterschiedliche Arten die Religion auszuleben. "Dadurch kann gar nicht jeder der sagt: 'Ich bin ein Muslim', auch ein allgemeines muslimisches Statement abgeben", so Mazyek. Er findet daher eine generelle Aussage wie "Die Muslime meinen" unangebracht und mahnt an, gerade aufgrund dieser "Schwammigkeit" die aktuelle Studie zu hinterfragen.


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