Droht Deutschland ein neuer Gammelfleisch-Skandal?

Wieder verdorbenes Fleisch mit gutem vermischt

Deutschland scheint ein neuer Gammelfleisch-Skandal bevorzustehen. Konkret geht es um den Verdacht von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten. Diesmal in Bad Bentheim. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt.

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Ermittlungen gegen Betrieb
Fleisch, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, kann mit Bakterien verseucht sein.Die Erreger können ernste Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts auslösen © dpa, Hauke-Christian Dittrich

Ein ehemaliger Arbeiter des fleischverarbeitenden Betriebes in Bad Bentheim sagte aus, dass auch Fleisch geliefert wurde, das schon grün sei. "Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist, aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen, und wir werfen es in die Maschinen."

Zwei ehemalige Mitarbeiter nahmen heimlich mit ihren Handys Videos auf. Als sie ihrem Arbeitgeber illegale Machenschaften vorwarfen, wurden sie gekündigt und bedroht. Bereits im Juni und im Oktober wurde der Betrieb durchsucht, "sogar Proben wurden genommen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob diese bereits analysiert wurden, konnte er nicht sagen.

Bei den Ermittlungen geht es vor allem um den Verdacht, dass sogenanntes Separatorenfleisch nicht als solches ausgezeichnet wurde. Separatorenfleisch wird maschinell von den Knochen gelöst und darf nur verwendet werden, wenn die Produkte entsprechend gekennzeichnet sind. Außerdem soll der Betrieb regelmäßig billiges und schlechtes Fleisch gekauft haben.

Verbraucherorganisationen fordern mehr Transparenz

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde verlangte eine schnelle Aufklärung. "Sollten sich die Behauptungen der ehemaligen Mitarbeiter dieses Betriebes bewahrheiten, müssen sofort strafrechtliche Konsequenzen folgen", teilte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff mit. Der Verein 'Die Lebensmittelwirtschaft' äußerte sich ähnlich: "Wer wissentlich nicht zum Verzehr geeignetes Fleisch verarbeitet, gefährdet die Gesundheit der Käufer. Ein solches Verhalten ist inakzeptabel und muss strafrechtlich verfolgt werden."

Eine Einrichtung von überregionalen Kontrollteams fordert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zudem müssten die Informationspflichten der Behörden verschärft werden. Die Verbraucherorganisation 'Foodwatch' forderte die Politik auf, für mehr Transparenz zu sorgen, denn jährlich fielen bei Kontrollen bei rund 25 Prozent der Betriebe Unregelmäßigkeiten auf, aber diese werden nicht veröffentlicht. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber (SPD) teilte mit, dass sich SPD und Union einig seien, die Kontrollen bundesweit besser zu koordinieren und die Standards zu stärken und zu verbessern.

Niedersachsens Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) setzt seine Hoffnungen in die Angestellten: "Wir können nur bitten, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kenntnis von möglichen Verstößen gegen den Verbraucherschutz und/oder die Lebensmittelsicherheit erlangen, an die zuständigen Behörden und Staatsanwaltschaften wenden." Damit diese Insider sich ermutigt fühlen, Missstände öffentlich zu machen, schlägt Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt vor, gesetzliche Rahmen zu schaffen.