Einmal WM-Gastgeber sein – Südafrika-Erfahrung zeigt: Die Party ist toll, aber der Kater heftig

FIFA beutete Südafrikaner 2010 aus

Alle vier Jahre bejubelt die ganze Welt das Spektakel Fußball-Weltmeisterschaft. Während sich Sportler und Fans tolle Spiele wünschen, erhofft sich das Gastgeberland ordentlich Profit von der Austragung. Doch vorher muss es Hunderte Millionen für die Wünsche der FIFA investieren, die große Vorteile auf lange Sicht verspricht. Diese vermissen die Menschen in Südafrika immer noch. Ihnen geht es schlechter als zuvor.

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Nach der WM 2010: Diese Jungs aus Blikkiesdorp müssen auf einer Müllhalde spielen.
Die WM 2010 in Südafrika bescherte der FIFA Milliarden: Diese Jungs aus Blikkiesdorp müssen trotzdem teils barfuß auf einer Müllhalde kicken.

Für die WM 2010 wurden viele Obdachlose aus Kapstadt in Lastwagen ins rund 25 Kilometer entfernte Blikkiesdorp gebracht. Dort leben nun Zehntausende Menschen in notdürftig errichteten Blechhütten, damit in Kapstadt alles sauber war für die internationale Fußball-Show. Kerstin Behlau von der einzig verbliebenen Hilfsorganisation in Blikkiesdorp, der deutschen Hope e.V., beklagt die Situation der Menschen. Nach der WM 2010 sei die Karawane der Gutmenschen einfach weitergezogen. "Die Leute leben inzwischen in schlechteren Verhältnissen", sagt sie.

Denn die Versprechen des Weltfußballverband FIFA, Arbeitsplätze zu schaffen, Gewinne zu generieren, profitable Stadien zu bauen – all dies ist nicht wahr geworden, sagt der Politologe Patrick Bond. "Wenn man die Südafrikaner fragt, dann sagen sie: 2010 war eine tolle Party, aber der Kater ist heftig." Selbst hat die FIFA mit dieser "tollen Party" einen unversteuerten Gewinn von gut drei Milliarden Euro erzielt.

Kinder spielen barfuß auf einer Müllhalde

Von den 30 Millionen Euro, die die FIFA Südafrikas Fußballverband überwiesen haben soll, ist in Blikkiesdorp und in anderen Teilen des Landes nichts angekommen. So spielen die fußballbegeisterten Kinder im Ort immer noch barfuß auf einer Müllhalde. Ihr Antrag auf Gelder aus dem FIFA-Vermächtnisfonds für Trikots und Schuhe bleibt bis heute unbeantwortet.

Laut einer Studie des schweizerischen Arbeiterhilfswerk SAH waren die Kosten für die südafrikanische Regierung um 1.709% höher als erwartet – nämlich 2,6 Milliarden statt 150 Millionen Euro. So leitete die FIFA Südafrika in ein dickes Verlustgeschäft, unter dem die Menschen leiden. Die großen Stadionbauten, von den Menschen "weiße Elefanten" genannt, finden keinen Nutzen. Im Gegenteil: Die Instandhaltung kostet jedes Jahr allein für das Stadion in Kapstadt 2,5 Millionen Euro.

Gerald Flagg, Anwohner von Blikkiesdorp, befürchtet ähnliche Szenarien für die jetzige WM: "In Brasilien wird genauso viel Geld ausgegeben wie damals hier – reine Geldverschwendung."