Ekelbetrieb von NRW-Landwirtschaftsministerin: “Hier wird vorsätzlich großes Tierleid praktiziert”

Vorwürfe gegen NRW-Landwirtschaftsministerin
Vorwürfe gegen NRW-Landwirtschaftsministerin Ekelbetrieb 00:01:05
00:00 | 00:01:05

Ein Ekelbetrieb

Die Bilder sorgen für Entsetzen: Verdreckte Ställe und schwer verletzte Schweine mit angefressenen, entzündenden Schwänzen. Tiere, die ohne Wasser vor sich hin vegetieren. Entstanden sind die Videoaufnahmen ausgerechnet in einem Schweinemastbetrieb, der früher von der neuen Landwirtschaftsministerin (CDU) von Nordrhein-Westfalen, Christina Schulze Föcking, geführt wurde. Kritiker fordern nun ihre Entlassung.

- Anzeige -

Schweine mit offenen Wunden

Dem Tierrechtsverein 'tierretter.de e.V'. liegt Filmmaterial aus drei Nächten vor, das die Zustände in den Stallungen zeigt. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen wurde der Betrieb noch von Schulze Föcking geführt.

In Zusammenarbeit mit 'Stern TV' wurden die Bilder veröffentlicht. Neben kleineren Verordnungsverstößen zeigen die Aufnahmen grausame Szenen: Mehrere Schweine sind separiert und haben offene Wunden an den Stellen, wo sie normalerweise Ringelschwänze hätten.

Christina Schulze Föcking ist nicht nur die neue NRW-Landwirtschaftsministerin, sondern auch staatlich geprüfte Landwirtin. In Steinfurt bewirtschaftete sie mit ihrem Mann einen mittelständischen landwirtschaftlichen Betrieb, der auch Schweine in mehreren Ställen mästet. Laut eigener Aussage ist Föcking am 30. Juni als aktive Landwirtin aus dem Betrieb ausgestiegen. Die Aufnahmen wurden Anfang März und Mitte Juni 2017 erstellt.

Tiere beißen sich gegenseitig in die Schwänze

tierretter.de
Aufnahmen aus dem Schweinemastbetrieb von Schulze Föcking (tierretter.de)

Die Videoaufnahmen zeigen Schweine mit massiven, blutigen Verletzungen. Zwar sind die Tiere größtenteils in sogenannten Krankenbuchten separiert und behandelt, dennoch zeigt die Menge der verletzten Tieren, wie sehr die Tiere unter der Haltung leiden.

Wie in dem Videomaterial zu sehen ist, neigen die sonst sehr neugierigen Tiere aufgrund der Enge und Langeweile zu Kannibalismus und beißen sich gegenseitig in die Schwänze. Bei manchen Tieren sind die Schwänze sogar nicht mehr zu sehen. Stattdessen: nur noch blutige, offene Stellen. Die Enge in den Buchten führt dazu, dass sich die Tiere nicht aus der Gruppe zurückziehen können und die Verletzungen sehr schnell viel schlimmer werden. Durch die hygienischen Bedingungen sind starke Entzündungen vorprogrammiert.

Beim Anblick der Bilder fällt es schwer zu glauben, dass die ehemaligen Betriebe der NRW-Landwirtschaftsministerin mit dem QS-Gütesiegel (Qualität und Sicherheit GmbH) ausgezeichnet wurden. Auch regelmäßige Kontrollen durch eine Tierärztin und das zuständige Veterinäramt sollen durchgeführt worden sein.

'Stern TV' hat die Ministerin mit den Vorwürfen konfrontiert. In der schriftlichen Stellungnahme heißt es: "In einem kurzen Zeitraum des ersten Halbjahres 2017 kam es innerhalb der Mast des Betriebes zu außergewöhnlichen Krankheitsverläufen". Der Betrieb habe aber sofort eine veterinärmedizinische Behandlung der Tiere veranlasst. Letztendilch war man gezwungen "in einzelnen Fällen Nottötungen durchzuführen", heißt es in dem Schreiben.

"Hier wird vorsätzlich großes Tierleid praktiziert"

Die Tierschützer von 'tierretter.de' haben das Videomagterial Diana Plange, Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin, vorgelegt: "Die Haltungsbedingungen bei Frau Schulze Föcking sind mit den Grundnormen des deutschen Tierschutzrechts unvereinbar. Hier wird vorsätzlich großes Tierleid praktiziert", sagt Plange gegenüber der Organisation.

Die 'Albert Schweizer Stiftung für unserer Mitwelt' fordert daher die sofortige Entlassung der Ministerin und bereitet eine Strafanzeige gegen sie vor. "Eine Landwirtschaftsministerin mit so einer Tierhaltung ist absolut untragbar", kommentiert Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Stiftung. "Frau Schulze Föcking hat bis zu ihrem Amtsantritt eine Schweinehaltung betrieben, die nicht nur gegen das geltende Tierschutzgesetz verstößt. Nach unserer Analyse handelt es sich um eine Straftat, die nach § 17 Tierschutzgesetz mit bis zu drei Jahren Haft bewährt ist", erklärt Klosterhalfen.

Das Kreisveterinäramt Steinfurt stärkt der Ministerin hingegen den Rücken. Kein Wunder: Zum einen ist Schulze Föcking Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Steinfurt und steht dem dortigen Veterinäramt daher sehr nah. Zum anderen ist das Veterinäramt parteiisch, denn es ist seiner Verantwortung nicht nachgekommen und hat die Verstöße nicht abgestellt. Würde das Veterinäramt die Tierschutzverstöße anerkennen, würde es damit also sein eigenes Versagen zugeben.