Elektromobilität kommt nicht in Schwung: Erst 7.000 Elektroautos in Deutschland

Politik schließt Kaufprämie für Elektroautos aus

Besonders rosig sieht die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland derzeit nicht aus. Von den rund 43 Millionen Pkw hierzulande sind gerade einmal gut 7.000 Elektroautos. Beim neuen Elektroauto-Gipfel von Vertretern von Politik und Industrie geht es vor allem um offene Fragen. Unter dem Motto "Elektromobilität bewegt weltweit" treffen sich Vertreter von Unternehmen, aus der Wissenschaft und der Politik auf Einladung der Bundesregierung.

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Elektromobilität Treffen Politik Industrie Supercredits
Bisher ein Ladenhüter: Kaum ein Kunde interessiert sich für den Kauf eines Elektroautos. © dpa, Rolf Haid

Die Politik schlägt ungeachtet aller Probleme optimistische Töne an. "Wenn das Angebot erst da ist, wird sich die Entwicklung auch beschleunigen", sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer . Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass sie an ihrem vor drei Jahren ausgegebenen Ziel festhalte, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Dies sei auch aus Klimagründen wichtig. Anders als einige europäische Nachbarstaaten will Deutschland aber keine Kaufprämien zahlen.

Angesichts von 16 Serienmodellen deutscher Produktion, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen sollten, beginne jetzt der Markttest, sagte Ramsauer. Wichtig sei, dass die Autos akzeptiert würden und bezahlbar seien. Unterstützung bekommen die Autobauer von der Bundesregierung bei ihrem Ringen um weichere Klimaauflagen der EU. Merkel sagte auf der Konferenz, Deutschland sei immer bereit, ambitionierte Ziele zu umzusetzen

Ihre gute Botschaft für die mächtige Autolobby lautete: "Supercredits haben eine super Bedeutung". Mit diesem Satz schlägt sich die Kanzlerin im Streit um CO2-Grenzwerte klar auf die Seite der deutschen Autoindustrie. Ihre Aussage ist auch ein klarer Wink an die EU-Kommission. Auf EU-Ebene wird derzeit heftig um strengere Grenzwerte für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids (CO2) gerungen, bis Ende Juni soll es eine Lösung geben.

Merkel kommt der Autolobby entgegen

Bei den "Supercredits" geht es um ein Bonussystem und um die Frage: wie sehr, wie viele und bis wann können umweltfreundliche Fahrzeuge wie Elektroautos für die gesamte CO2-Bilanz der Hersteller angerechnet werden? Die deutschen Oberklasseautobauer BMW, Audi und Daimler, die vor allem größere Wagen verkaufen, wollen die sauberen Elektroautos besonders stark über sogenannte Supercredits angerechnet bekommen, um das CO2-Ziel zu erreichen. Dies würde gleichzeitig die E-Autos besonders fördern. Die Logik dahinter lautet: In dem Maße, in dem sich die Hersteller Stromautos mehrfach anrechnen können, haben sie mehr finanziellen Spielraum, um diese günstiger anzubieten. Daimler -Chef Dieter Zetsche machte sich zudem dafür stark, dass die Politik die zugesagte Verbesserung bei der Dienstwagen-Besteuerung für Elektroautos umsetze.

Zetsche und EU-Verkehrskommissar Siim Kallas verwiesen auf der Berliner Konferenz zudem auf die fehlende Standardisierung etwa von Ladesteckern. "Es ist wichtig, eine Zerstückelung des europäischen Marktes mit verschiedenen Standards zu vermeiden", mahnte er. Vor allem in Frankreich gibt es Bedenken gegen den von deutschen Herstellern favorisierten Stecker. Über eine Standardisierung wird schon seit mehreren Jahren gestritten.

Experten sehen vor allem die hohen Kosten und die fehlende Infrastruktur als Hindernis dafür, dass mehr Elektroautos gekauft werden. Zudem ist die Reichweite der Batterien noch begrenzt. Experten und Autobauer sehen daher in nachladbaren Hybridautos mit Plugin-Technik eine wichtige Übergangstechnologie, um die Kundschaft an Elektroautos heranzuführen.