Ermittlungen nach Bus-Tragödie nahe Dresden: Wer hat Schuld am Horror-Crash?

Gericht erlässt keinen Haftbefehl

Nach dem verheerenden Busunglück mit elf Toten auf der Autobahn 4 in Dresden laufen die Ermittlungen zur Ursache. Für die Staatsanwaltschaft steht der 44-jährige Fahrer des verunglückten polnischen Doppeldecker-Busses im Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung - er soll übermüdet gewesen sein. Das Amtsgericht Dresden lehnte eine Untersuchungshaft allerdings ab: Der Haftrichter sah bei dem im Krankenhaus liegenden Mann keine Fluchtgefahr.

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Dresden A4 Busunfall Haftbefehl abgelehnt
Nach einem der schwersten Busunglücke in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft den Haftbefehl gegen den Fahrer abgelehnt. © dpa, Matthias Hiekel

Das schwerste Busunglück seit Jahren in Deutschland kostete am frühen Samstagmorgen mindestens elf Menschen das Leben, 69 wurden nach Polizeiangaben verletzt. Bei dem verheerenden Unfall fuhr der polnische Dopppeldecker, der nach Westen unterwegs war, auf einen Reisebus aus der Ukraine auf. Durch die Wucht des Aufpralls schleuderte er über die Autobahn und raste durch die Leitplanke auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte er in einen polnischen Kleinbus, stürzte eine Böschung hinunter und überschlug sich.

Die Staatsanwaltschaft vermutet Übermüdung als Ursache für das Unglück und beantragte den Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. "Wir hatten es so gesehen, dass er sich auf Grund der hohen Straferwartung einem Gerichtsverfahren in Deutschland nicht stellen würde", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase. Gegen den Mann werde weiter ermittelt.

Verletzte liegen weiter in Krankenhäusern in Dresden, Pirna und Radebeul. Viele Reisende hatten Brüche, Schürfwunden, Prellungen oder einen Schock erlitten.

Noch nicht alle Toten identifiziert

In dem polnischen Bus waren laut Passagierliste 65 Gäste an Bord, dazu zwei Fahrer und ein Reiseleiter. Nach Informationen des Busunternehmens wurde das Fahrzeug erst kürzlich technisch überprüft, Informationen über den genauen Unfallverlauf habe man aber noch nicht. Elf Menschen starben, 69 wurden verletzt, 39 davon schwer.

Inzwischen erklärte auch die polnische Regierung, dass noch nicht alle Todesopfer identifiziert seien. Acht der Todesopfer - drei Frauen und fünf Männer zwischen 32 und 75 Jahren - sind polnische Staatsbürger, die drei anderen noch nicht identifiziert. Bei drei Opfern müsse die Identität noch geklärt werden.

Der stellvertretende Ministerpräsident Sven Morlok (FDP) hat in einem Schreiben an die Präsidenten Polens, Borislaw Komorowski, und der Ukraine, Petro Poroschenko, seine Bestürzung zum Ausdruck gebracht, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Darin sprach er allen Verunglückten, deren Angehörigen und Hinterbliebenen zudem seine Anteilnahme aus und wünschte den Verletzten baldige Genesung.

Die A4, die von Eisenach in Thüringen bis nach Görlitz an der Grenze zu Polen führt, war an der Unfallstelle rund zwölf Stunden voll gesperrt. Da das Unglück mit dem Beginn der Sommerferien in Sachsen zusammenfiel, bildeten sich lange Staus.