Erste Ebola-Ansteckung innerhalb Europas - Spanien bestätigt Fall

08.10.2014 | 18:49
Erste Ebola-Ansteckung innerhalb Europas In Spanien gibt es den ersten Ebola-Fall innerhalb von Europa.

Drei weitere Ebola-Verdachtsfälle in Madrid

Der Ebola-Virus hat Europa erreicht: Wie die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato mitteilte, steckte sich eine Krankenschwester an, die einen Ebola-Patienten gepflegt hatte. Zudem seien drei weitere Menschen wegen des Verdachts auf Ebola im Krankenhaus. Dabei handle es sich um den Ehemann der Pflegerin, eine weitere medizinische Fachkraft sowie einen Reisenden aus einem der westafrikanischen Länder, in denen die Seuche grassiere, teilte die behandelnde Klinik mit.

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Die 44 Jahre alte Krankenschwester und zweifache Mutter wurde in die Quarantäne-Station einer Fachklinik in Madrid verlegt. Sie hatte nach Angaben der Behörden bereits seit einer Woche leichtes Fieber. Mediziner schöpften jedoch zunächst keinen Verdacht. Die Frau hatte den spanischen Geistlichen Manuel García Viejo gepflegt, der sich in Sierra Leona mit Ebola infiziert hatte und mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden war. Der 69-Jährige starb am 25. September in Madrid.

Nach Angaben des Generaldirektors der medizinischen Erstversorgung der Region Madrid, Antonio Alemany, betrat die Frau zweimal das Krankenzimmer des Ebola-Patienten. Einmal zur Pflege, ein anderes Mal gleich nach dem Tod Viejos. Wie die Frau sich infiziert habe, sei unklar, erklärte Mato. Die spanischen Gesundheitsbehörden schlossen weitere Ebola-Fälle nicht grundsätzlich aus. "Die Wahrscheinlichkeit von Infektionen ist gering, aber sie existiert", sagte Fernando Simón, Chef der Notfallzentrale des Ministeriums, dem Radiosender Cadena Ser. Die Behörden erstellten eine Liste mit 30 Personen, die mit der an Ebola erkrankten Frau Kontakt hatten und deren Gesundheitszustand nun überwacht werde.

Als Konsequenz aus der Ebola-Epidemie verstärkt der Freistaat Bayern seine Schutzvorkehrungen am Münchner Flughafen. Die bayerische Staatsregierung beschloss die Einrichtung einer speziellen Taskforce 'Infektiologie' direkt am Airport. Fünf Ärzte sollen sich um Gefahren von Ebola und anderen Infektionskrankheiten kümmern. Die Einheit wird direkt dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unterstellt. Sie soll unter anderem Alarm- und Notfallpläne für die diversen Infektionskrankheiten ausarbeiten. Wenn es an Bord von Flügen Verdachtsfälle auf derartige Krankheiten gibt, gehört München zu den Flughäfen in Deutschland, die angesteuert werden. Schon jetzt ist festgelegt, dass ein Amtsarzt quasi rund um die Uhr anwesend sein muss. Dieser Bereich wird nun deutlich aufgestockt.

Unterdessen sieht die Uniklinik Frankfurt keinen Handlungsbedarf, die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Bisher habe man in Frankfurt kein Leck festgestellt, sagte Hans-Reinhard Brodt, Leiter der Infektiologie. In Frankfurt wird ebenfalls ein Ebola-Patient behandelt - ein Arzt aus Uganda, der sich in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hatte.

EU richtet Luftbrücke in Ebola-Gebiete ein

Eine an Ebola erkrankte norwegische Mitarbeiterin der Organisation Ärzte ohne Grenzen ist zur Behandlung in Oslo angekommen. Die Frau hatte sich bei einem Ebola-Hilfseinsatz in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt - woran, war zunächst unklar. Tests am Sonntag hatten die Infektion bestätigt. Anschließend war die Frau ausgeflogen worden. In der Osloer Klinik solle die Helferin die weltweit letzte verfügbare Dose des experimentellen Medikaments 'ZMapp' bekommen, meldete das norwegische Fernsehen unter Berufung auf den medizinischen Direktor des staatlichen Arzneimittelwerks, Steinar Madsen.

Die Europäische Union richtet eine Luftbrücke in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten in Westafrika ein. Mit rund einer Million Euro sollten Flüge nach Sierra Leone, Liberia und Guinea finanziert werden, kündigte die EU-Kommission an. Die erste von drei Großraummaschinen vom Typ Boeing 747 werde am Freitag rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die sierra-leonische Hauptstadt Freetown bringen. Mit weiteren drei Millionen Euro will die EU ein Evakuationssystem aufbauen, mit dem im Notfall infizierte internationale Hilfskräfte in weniger als 48 Stunden in europäische Krankenhäuser gebracht werden können. Seit Ausbruch der Ebola-Epidemie hat die EU-Kommission nach eigenen Angaben bereits rund 180 Millionen Euro zur Unterstützung der betroffenen Staaten bereitgestellt.

In den drei am härtesten von Ebola betroffenen Ländern fallen trotz verbesserter Hilfsmaßnahmen immer noch täglich Menschen Ebola zum Opfer. Insgesamt sind bei der WHO inzwischen mehr als 3.400 Tote in den drei Ländern erfasst, mit über 2.000 die weitaus meisten davon in Liberia. In Berlin rief Liberias Botschafterin Ethel Davis die Deutschen zu mehr Spenden für den Kampf gegen die Epidemie auf. Die Lage in ihrem Land sei katastrophal. Vertreter mehrerer Hilfsorganisationen beklagten die aus ihrer Sicht geringe Spendenbereitschaft.

Bildquelle: Reuters