EuGH-Urteil: Muslimische Schülerin muss zum Schwimmunterricht

Eine muslimische Schülerin sitzt in einem Burkini am Rande eines Schwimmbeckens.
Selbst in einem Ganzkörper-Badeanzug (Burkini) wollten die Eltern ihre Tochter nicht zum Schwimmunterricht schicken. Foto: Archiv © dpa, Rolf Haid, tm_dha rho frk skm FDT

Richter entscheiden: Schulpflicht und Integration der Kinder haben Vorrang

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat über die Teilnahmepflicht von muslimischen Schülerinnen am gemischten Schwimmunterricht entschieden. Geklagt hatte ein muslimisches Elternpaar aus Basel. Die beiden beriefen sich auf die Religionsfreiheit. 

- Anzeige -

Den Eltern wurden Bußgelder auferlegt, weil sie sich geweigert hatten, ihre Töchter zum Schwimmen zu schicken. Die Schweizer Justiz argumentierte, dass sich die Eltern nicht auf gesetzliche Ausnahmen von der Teilnahmepflicht berufen können, da die Mädchen die Pubertät noch nicht erreicht hatten. Die Straßburger Richter bestätigten das Urteil: Die Behörden dürfen der Schulpflicht und der Integration der Kinder Vorrang einräumen gegenüber dem religiös begründeten Wunsch der Eltern nach einer Befreiung.

In einem früheren Fall war eine muslimische Schülerin aus Hessen vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Versuch gescheitert, sich vom gemeinsamen Schwimmunterricht befreien zu lassen. Sie hatte als Fünftklässlerin an einem Gymnasium die Note Sechs kassiert, weil sie sich dem Schwimmunterricht verweigerte. Das Mädchen marokkanischer Abstammung lehnte es auch ab, wie manche ihrer Mitschülerinnen einen Burkini zu tragen - ein solcher Ganzkörper-Badeanzug lasse nass trotzdem die Körperkonturen erkennen. Außerdem fühlte sich die Gymnasiastin durch den Anblick ihrer leicht bekleideten Mitschüler behelligt. 

Debatte ums Kopftuch tragen: Zwang oder Freiheit?
Debatte ums Kopftuch tragen: Zwang oder Freiheit? Experten kritisieren Druck in Familien 00:01:42
00:00 | 00:01:42