EXTRA-Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn!

Ausgezeichnet mit dem 'Bayerischen Fernsehpreis 2010'

Ihre Heimat ist Deutschland. Ihre Eltern stammen aus dem Irak, der Türkei oder Persien. Was sie verbindet? Sie alle fühlen sich nicht willkommen, abgelehnt, heimatlos. Sie sind wütend und holen sich jetzt das, was sie brauchen, was Ihnen diese Gesellschaft in ihren Augen verweigert. Sie brechen ein, rauben Geschäfte aus, randalieren, überfallen die Jugendlichen aus den Villenvierteln, die alles haben. Bundesweit liegen männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Kriminalstatistiken weit vorn. Bonn Bad Godesberg ist dafür ein anschauliches Beispiel. Seit Oktober wurden allein 164 Einbrüche von der Polizei registriert. Raubüberfälle sind an der Tagesordnung. Nach Abzug der Regierungsbeamten zog mit den Migranten-Familien in den vornehmen Bonner Stadtteil auch ein neues Lebensgefühl ein: die Angst vor den neuen Nachbarn.

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EXTRA-Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn!
Ahmed und Mehdi haben längst resigniert.

Das EXTRA-Team trifft auf Täter wie Ahmed (19), dessen Eltern aus dem Irak stammten und der seit seinem elften Lebensjahr ohne Eltern in Deutschland lebt. Er erzählt von der Perspektivlosigkeit und geplatzten Träumen. Er gilt als Intensivstraftäter und ist derzeit auf Bewährung: "Dein Leben ist vorbei, bevor es angefangen hat. Und da ist diese Wut im Bauch auf die Deutschen und Deutschland. Und immer, wenn ich einbrechen gehe, denke ich daran." Auch der junge Perser Mehdi (26) hat längst resigniert. Sechs Jahre hat er wegen unzähliger Einbruchsdelikte im Gefängnis gesessen: "Die Gesellschaft hier in Deutschland, die interessiert mich nicht. Ich scheiße auf die Justiz, die Polizei und den Rechtsstaat." Bei den Opfern, wie dem Optiker Michael E., liegen inzwischen die Nerven blank: "Bei mir wurde innerhalb von fünf Monaten viermal eingebrochen! Ich habe geweint, weil ich mich so ohnmächtig fühle und nichts dagegen tun kann."

Experten warnen vor einer bundesdeutschen Entwicklung

Viele jugendliche Migranten kommen oft aus bildungsfernen Schichten. Sie haben kaum Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und spüren deutlich die ungleiche Chancenverteilung. Der soziale Neid wächst und damit auch die Aggressivität und ihre Gewaltbereitschaft. Beim sogenannten "Abziehen" wohlhabender Jugendlicher bleibt es dabei schon lange nicht mehr. Der anerkannte Psychologe Wolfgang Bergmann kennt sich mit der Integrationsproblematik bestens aus und warnt: "Das Problem der gescheiterten Integration ist keineswegs mehr ein isoliertes Thema nach dem Motto: 'Das geht mich nichts an und spielt sich nur in Berlin-Kreuzberg ab'. Es zieht jetzt in die Villenviertel der feinen Leute und das ist das Beispiel Bad Godesberg.“

Dabei gibt es ebenso positive Beispiele für Integration in der Nachbarschaft. "Die Jungs machen sich das zu einfach und schaden uns allen damit, weil die Deutschen dann denken, dass alle Migranten kriminell sind", so Wasim O. (32). Er hat syrische Wurzeln, ist in Bad Godesberg geboren und aufgewachsen und heute Geschäftsführer eines Computerfachgeschäfts. Auch bei ihm wurde versucht, einzubrechen. "Ich habe mir alles hart erarbeitet. Auch ich habe Migrationshintergrund und bin ohne Vater aufgewachsen, aber das ist kein Grund für mich kriminell zu werden“, führt er Ahmed und Mehdi vor Augen

Das besondere Konfliktpotential der dritten Migrantengeneration

EXTRA-Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn!

Auf den Straßen von Bad Godesberg treffen Ahmed und Mehdi auch auf den türkischen Buchautor Cem Gülay (39). Nach einer langen kriminellen Laufbahn hat er in einer Autobiographie seinen Frust über das Verhalten der Deutschen gegenüber Einwanderern ausgedrückt, aber auch Kritik an dem Verhalten von Migranten geübt. "Es sind Grenzviertel, da sind Konflikte vorprogrammiert. Die Migranten denken, da ich sowieso schlechter gestellt bin, perspektivlos bin und mir alles egal ist, habe ich wenigstens eins: die Gewalt", weiß Cem Gülay aus eigener Erfahrung. Laut Experten bietet dabei die dritte Generation der Migranten besonderes Konfliktpotential. Wolfgang Bergmann: "Die erste Generation versucht, sich anzupassen, die zweite sieht Aufstiegschancen, in der dritten hat man resigniert. Die Deutschen erkennen beispielsweise die Türken nicht an, aber die Türken sind jetzt auch nicht mehr bereit, die Deutschen anzuerkennen."

Das "EXTRA-Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn! Woran die Integration von Ausländern in Deutschland scheitert" ist eine alarmierende Bestandsaufnahme aus der Perspektive aller Betroffenen. Sie zeigt, wie wichtig Integrationsmaßnahmen wie frühkindliche Förderung, Bildung und das Schaffen von positiven Vorbildern sind. Als Ahmed und Mehdi das RTL-Team abschließend durch das edle Villenviertel von Bad Godesberg führen, fällt Ahmed spontan auf, wie das Tageslicht die teuren Häuser umschmeichelt. Es klingt wie eine Metapher für sein ganzes Leben, als er sagt: "Sogar die Sonne scheint hier mehr!"

Laut OECD-Studie sind Migranten in Deutschland real benachteiligt

Dass Migranten jedoch real in Deutschland bildungspolitisch benachteiligt sind und wie unabdingbar in diesem Zusammenhang die Integration ausländischer Jugendlicher in Sachen Bildung ist, belegt ebenfalls eine aktuelle OECD-Studie. Laut dieser Studie haben Nachkommen von Einwanderern bei gleichem Bildungsniveau schlechtere Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt als Einheimische. 90 Prozent der 20- bis 29-jährigen hochqualifizierten Männer ohne Migrationshintergrund haben einen Arbeitsplatz, während es in der Gruppe der jungen Männer mit Migrationshintergrund nur 81 Prozent sind. Zudem ist in Deutschland unter den 20- bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch, in Österreich sogar dreimal so hoch. Dies korrespondiert mit großen schulischen Defiziten.

Ein Land, zwei Welten – in Bad Godesberg hat man die Problematik inzwischen in einem gleichnamigen Theaterstück thematisiert. Das anschließende Diskussionsforum wurde von den Bürgern intensiv genutzt - ein erster Schritt, sich dem Thema zu stellen und zu akzeptieren, dass eine gelungene Integration und Migration von Ausländern in Deutschland uns alle betrifft.


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