Facebook schaltet 'Timeline' frei

Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt
Neuigkeiten bei Facebook: Das größte soziale Netzwerk der Welt will das Leben der Nutzer darstellen. © dpa, Julian Stratenschulte

Social-Media-Profil wird zur Lebenschronik

Der ganze Lebenslauf auf einer einzigen Seite: Das verspricht Facebook den Nutzern der neuen Zeitleiste, die jetzt auch in Deutschland verfügbar ist. Datenschutz-Bedenken versucht das Soziale Netzwerk gleich zu zerstreuen.

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Das Facebook-Profil wird zur Lebenschronik: Das Online-Netzwerk hat mit der weltweiten Einführung einer neuen Ansicht begonnen. Nutzer können jetzt auf einer Zeitleiste ihre Netzwerk-Aktivitäten wie auch frühere Ereignisse aus ihrem Leben in einem magazinartigen Design präsentieren. Die Funktion war bereits im September angekündigt worden. "Jeder Nutzer hat absolute Kontrolle über die Inhalte in seiner Chronik und bestimmt selbst, wer was sehen kann", betonte das US-Unternehmen. Proteste von deutschen Datenschützer blieben aus.

Die in Deutschland als Chronik bezeichnete Timeline wird Schritt für Schritt weltweit freigeschaltet. Die mehr als 800 Millionen Nutzer haben bereits jetzt die Möglichkeit, sie über die Adresse http://www.facebook.com/timeline zu aktivieren.

"Mit der Chronik können Facebook-Nutzer individueller als bisher zeigen, wer sie sind", erklärte das Unternehmen. Einerseits ist es möglich, frühere Beiträge wie Fotos oder Statusmeldungen besser zur Geltung zu bringen. Andererseits können Mitglieder ihr Profil um Ereignisse aus ihrem Leben ergänzen - angefangen bei der Geburt. Die Plattform gibt dafür Kategorien wie 'Neue Arbeitsstelle', 'Neues Kind' und 'Neues Hobby', aber auch 'Gewichtsverlust', 'Tätowierung oder Piercing' oder 'Erster Kuss' vor. Beim Design setzt Facebook auf ein übersichtliches Layout mit großformatigen Bildern.

Datenschützer sind in Sorge

Facebook betonte, dass die Nutzer die Kontrolle behielten. Bevor die Zeitleiste sichtbar wird, haben Mitglieder sieben Tage Zeit, sie zu gestalten. An der Sichtbarkeit bereits veröffentlichter Inhalte ändere sich nichts. In der Chronik könnten für jedes einzelne Element festlegen, wer es sehen darf. Zudem bestehe die Möglichkeit, nachträglich die Sichtbarkeit älterer Beiträge zu beschränken - auch auf einen Schlag.

Datenschützer betrachten die Neuerungen mit gemischten Gefühlen. Positiv sei, dass Nutzer der Aktivierung zustimmen müssten, sagte Johannes Caspar, Datenbeauftragter von Hamburg und für Facebook zuständig. Auch die Übergangszeit von sieben Tagen bis zur automatischen Freischaltung sei positiv zu bewerten - diese Wahlmöglichkeit müsse auf Dauer bestehen. Kritisch sieht er aber die großen Datenmengen, die das Unternehmen sammeln könne.

"Den Nutzern wird nahegelegt, viel von sich preiszugeben, vom Babyfoto bis hin zu intimen Dingen wie etwa der Genesung von einer Krankheit", sagte Marit Hansen vom Unabhängigen Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein in Kiel in einer ersten Einschätzung. Positiv bewertete sie, dass die Freigabenbegrenzungen für Inhalte bestehen bleiben und somit Statusmeldungen oder Fotos keinem größeren Kreis zugänglich gemacht werden. Außerdem verdeutliche die neue Ansicht, welche Daten Facebook bereits speichere. "Die Inhalte sind jetzt besser beherrschbar, wobei es immer noch schwierig zu handhaben ist."


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