Fackel erloschen: Explosionsgefahr auf Gasplattform gebannt

31.03.2012 | 20:07
Fackel erloschen: Explosionsgefahr auf Gasplattform gebannt Auf diesem von Total veröffentlichten Foto ist der Gasaustritt zu sehen.

3,8 Tonnen Gaskondensat auf der Meeresoberfläche

Explosionsgefahr gebannt: Die Gasfackel auf der leckgeschlagenen Nordsee-Plattform 'Elgin' brennt nicht mehr. Sie sei am Freitagabend erloschen, teilte der Chef der Betreiberfirma Total, Christophe de Margerie, per Twitter mit.

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Die Experten von Total wollen im Laufe des Tages darüber beraten, ob nun das Betreten der Plattform von Menschen verantwortet werden kann. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher.

Nach Einschätzung des Freiberger Forschers Professor Mohammed Amro können wegen des Gasaustritts derzeit keine Menschen auf der Plattform arbeiten. Daran ändere auch das Verlöschen der Gasflamme nichts, sagte der Experte für Geoströmungs-, Förder- und Speichertechnik der Freiberger Bergakademie. Deshalb gelte es, den Störfall aus der Ferne in den Griff zu bekommen.

Wegen des Feuers in etwa 100 Meter Entfernung von dem Gasleck bestand Explosionsgefahr. Seit sechs Tagen tritt unkontrolliert giftiges und explosives Gas aus. Der Wind hatte die Gaswolke in der Zeit jedoch von der Fackel weggetrieben.

Auf der Wasseroberfläche befindet sich inzwischen ein Teppich aus sogenanntem Gaskondensat, der in einer Ausbreitung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite auf dem Wasser schwimmt. Er habe insgesamt ein Gewicht von etwa 3,8 Tonnen, teilte das britische Ministerium für Energie- und Klimaschutz mit. Das Meerwasser werde aber bisher weniger als angenommen belastet.

Total wusste schon länger von dem Leck

Zuvor war bekannt geworden, dass es auf der Plattform schon gegen Ende Februar Probleme im Gasförderungsprozess gab. So wurden Druckschwankungen festgestellt, wie Management-Direktor Philipe Guys erläuterte.

Bis zur Evakuierung der Plattform am vergangenen Sonntag soll versucht worden sein, die Förderprobleme unter Kontrolle zu bringen. Bisher ist nicht klar, was die Ursache für die Druckschwankungen und auch das Leck sein könnte. Guys erklärt jedoch: "Zurzeit gibt es keine Anzeichen für menschliches Versagen."

Bis vor wenigen Tagen war nicht sicher, wo genau sich das Gasleck befindet. Spekulationen platzierten die undichte Stelle vier Kilometer unterhalb des Meeresgrundes, andere vermuteten richtig, dass es an der Plattform selbst, oberhalb der Wasseroberfläche sei.

Der Schaden konnte nicht behoben werden, sodass eine Evakuierung aus Explosionsgefahr unausweichlich wurde. Derweil wird das wirtschaftliche Ausmaß des Gaslecks für 'Total' deutlicher. Das Unternehmen hatte nach dem Einbruch seines Aktienkurses zwischen sieben und neun Milliarden Euro Marktkapitalisierung verloren. "Das wirkt ein wenig hart", sagte der britische Analyst Jason Kenney von der Bank Santander. Die tatsächlichen Belastungen infolge der Produktionsausfälle und Reparaturkosten dürften sich nach seiner Einschätzung auf 300 bis 800 Millionen Euro belaufen.

Bildquelle: dpa bildfunk