Fashion Revolution Day: Woher kommt eigentlich Ihre Kleidung?

Brauchen wir eine Mode-Revolution?

Woher kommt meine Kleidung? Wo ich ein T-Shirt gekauft habe, kann ich vielleicht noch sagen. Aber wer hat mein T-Shirt genäht, gewebt, gefärbt? Wer hat die Baumwolle dafür geerntet? Wer verdient daran? Wohl kaum jemand kann diese Fragen mit Sicherheit beantworten. Darum ruft ein Aktionsbündnis von Unternehmern, Designern, Pressevertretern und Akademikern weltweit am 24. April den 'Fashion Revolution Day' aus. Denn sie wollen, dass jeder die einfache Frage – "Wer hat meine Kleidung hergestellt?" – beantworten kann. Darum fordern sie eine Revolution in der Modebranche.

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Vorbereitungen für den 'Fashion Revolution Day' in einem Geschäft in Berlin
Weltweit beteiligen sich Geschäftsleute, Designer und Privatpersonen an Aktionen rund um den 'Fashion Revolution Day'.

Die Aktion wurde als jährlich stattfindender Gedenktag für die Opfer des Fabrikeinsturzes in Bangladesch ins Leben gerufen. Am 24. April 2013 waren bei dem Unglück in Dhaka über 1.100 Menschen getötet und 2.500 verletzt worden, als ein marodes achtstöckiges Gebäude einer Textilfabrik einstürzte. In der Fabrik wurden Kleidungsstücke für bekannte Modeketten produziert.

Um auf solche Umstände, unter denen die Modeindustrie Kleidung produzieren lässt, aufmerksam zu machen, beteiligen sich Privatpersonen, Designer, Einzelhändler und viele mehr an kreativen Aktionen rund um das Thema Mode. In 71 Ländern sind Events, Workshops und Flashmobs geplant, auch in zahlreichen Städten in Deutschland.

Zum Beispiel tragen heute die Schaufensterpuppen des Kölner Modelabels 'Lanius' ihre Kleidung auf links, in Hamburg gibt es eine Ausstellung mit dem Titel 'Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode' und in Berlin wird eine 'Kleidertauschparty' veranstaltet.

Der 'Fashion Revolution Day' hat auch prominente Unterstützung, so werben beispielsweise in Deutschland der Rapper Thomas D und die Designerinnen Anja und Sandra Umann für die Aktion.

Jeder kann etwas bewegen

'Fashion Revolution Day': Kleider auf links tragen
Wer beim 'Fashion Revolution Day' mitmachen möchte kann einfach seine Anziehsachen auf links tragen. © picture alliance / Elena Aquila/, Elena Aquila

Jeder Einzelne ist eingeladen, sich am 'Fashion Revolution Day' zu beteiligen, denn die Organisatoren fordern dazu auf, für einen Tag die Anziehsachen auf links zu tragen, damit das Schild mit der Aufschrift "Made in…" zu sehen ist. Außerdem soll jeder sein Lieblingslabel kontaktieren, nachfragen "Wer hat meine Kleidung hergestellt?" und die Antwort in Internet veröffentlichen, mit dem Hashtag #WhoMadeMyClothes. Das soll nicht nur Aufmerksamkeit für das Thema schaffen, sondern auch die großen Modeunternehmen unter Druck setzen, ihre Lieferketten transparent und nachvollziehbar zu machen. Auch in den sozialen Netzwerken ist ein reger Austausch geplant, um Öffentlichkeit zu schaffen.

Auf der Facebookseite der Aktion kann man lesen: "'Fashion Revolution' ruft dazu auf, Fragen zu stellen, Arbeits-Standards zu überdenken und zu erhöhen, eine Veränderung mit kleinen Schritten zu beginnen und zu zeigen, dass ein Wandel möglich ist." Denn, so wird in einem Post mitgeteilt, 61 Prozent der globalen Mode Unternehmen wüssten nicht, wo ihre Ware hergestellt wird; 76 Prozent nicht, wo sie gewebt, gestrickt oder gefärbt wird und 93 Prozent könnten nicht sagen, wo die Rohstoffe für die Kleidung, die sie in Auftrag geben, herkommen.

Auch in Bangladesch wird der Opfer des Unglücks gedacht – mehrere politische Gruppen wollen den 24. April zum ‚Tag der Textilarbeiter‘ erklären lassen. Zum Jahrestag des Unglücks versammelten sich in Dhaka Hunderte Angehörige, Arbeiter und Gewerkschaftler an der Stelle, wo die Fabrik eingestürzt war und forderten mehr Entschädigung für die Hinterbliebenen und die Opfer.

An den Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Bangladesch hat sich auch zwei Jahre nach dem schrecklichen Unglück nicht viel geändert. Viele Arbeiter litten unter erzwungenen Überstunden, sexuellen Beschimpfungen, Attacken und verspäteten oder ausbleibenden Lohnzahlungen, so die Menschenrechtsorganisation 'Human Rights Watch'. Auch die Hilfsorganisation 'Oxfam' äußerte sich kritisch: "Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter und Arbeiterinnen sind immer noch gefährdet, und sie müssen weiterhin 12-Stunden-Schichten für einen Hungerlohn leisten."


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