Feiern zum Tag der Deutschen Einheit – Lammert macht sich für europäische Idee stark

"Einheit war Voraussetzung für das Zusammenwachsen Europas"

In München wurde zum Tag der Deutschen Einheit kräftig gefeiert. Unter den mehr als 1.500 Gästen war die gesamte politische Spitze Deutschlands, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), vertreten.

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Tag der Deutschen Einheit, München, Lammert
Bundestagspräsident Lammert warnte in seiner Rede davor, die europäische Idee auf ökonomische Fragen zu verkürzen. © dpa, Marc Müller

Lammert erinnerte am Tag der Wiedervereinigung an die "europäische Dimension" der deutschen Einheit. "Ohne die Überwindung der Spaltung Europas wäre die deutsche Einheit nicht möglich gewesen", sagte der Bundestagspräsident beim zentralen Festakt in der Münchner Staatsoper. "Die Wiederherstellung der staatlichen Einheit unseres Landes war umgekehrt Voraussetzung für das Zusammenwachsen Europas in einer Union west-, mittel- und osteuropäischer Staaten."

"Europa ist mehr als der Euro"

Zudem rief der Bundestagspräsident in einem flammenden Plädoyer zu einem noch engeren Zusammenwachsen auf. Es gebe keine vernünftige Alternative zu Europa, und die Weiterentwicklung Europas liege im deutschen Interesse, mahnte er. Der CDU-Politiker warnte insbesondere davor, in eine "Rivalität von Nationalstaaten" zurückzufallen. Mit Blick auf die Schuldenkrise räumte Lammert ein: "Wer heute Meldungen über Europa verfolgt, muss den Eindruck gewinnen: Es geht meist um Geld, scheinbar nur um Geld, jedenfalls immer wieder um immer mehr Geld, um Schulden und ihre Tilgung, um Schuldenschnitte und ihren Umfang". Europa sei allerdings "mehr als der Euro".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte zu Beginn des Festakts die Reformleistung der Ostdeutschen nach der Wende. "Viele Menschen haben nach dem Fall der Mauer die Chance ergriffen und dabei große Brüche erleben müssen. Für diese Anpassungsprozesse sollten wir den Menschen in Ostdeutschland großen Respekt zollen", sagte der Bundesratspräsident. Zugleich würdigte Seehofer den Beitrag des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) zur Wiedervereinigung.

München war in diesem Jahr Gastgeber des Festakts, weil Bayern derzeit den Bundesrats-Vorsitz innehat.