Nach Anschlag auf BVB-Mannschaftsbus: Verdächtiger hatte wohl keine Komplizen

Nach Anschlag auf BVB-Bus
Nach Anschlag auf BVB-Bus Polizei nimmt Tatverdächtigen fest 00:05:46
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Tatverdächtiger für Anschlag auf Borussia Dortmund gefasst

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Das bestätigte das Bundeskriminalamt. Den Angaben zufolge handelt es sich um einen 28-jährigen Deutsch-Russen aus dem Raum Tübingen (Baden-Württemberg). Inzwischen wurde Haftbegehl gegen ihn erlassen. 

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Motiv: Habgier - Spekulationen mit BVB-Aktien

Das Motiv des mutmaßlichen Täters soll Habgier gewesen sein. Der Beschuldigte hat laut Bundesanwaltschaft am Tag des Anschlags 15.000 Verkaufsoptionen für 78.000 Euro in Bezug auf BVB-Aktien gekauft. Der Käufer spekulierte demnach auf fallende Kurse - die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursabsturz wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Beschuldigte habe die Papiere über einen Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert, hieß es. Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf Gehilfen oder Mittäter.

Der Verdächtige soll ein Zimmer im Mannschaftshotel 'L'Arrivée' mit Blick auf den Anschlagsort gebucht haben. Über den Internet-Anschluss des Hotels soll er die Aktienoptionen online erworben haben. Die 'Bild'-Zeitung berichtet, dass der Mann Hotelangestellten aufgefallen sei: Er habe beim Einchecken ein anderes Zimmer abgelehnt und explizit ein Zimmer mit Blick auf die Straße vor dem Hotel gefordert. Zudem habe er nach dem Anschlag auffällig ruhig gewirkt, während andere Hotelgäste in Panik verfielen.

RTL-Reporter Ulrich Klose zu den Hintergründen der Festnahme
RTL-Reporter Ulrich Klose zu den Hintergründen der Festnahme 00:02:01
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Sprengsätze mit Metallstiften besetzt

Dem Verdächtigen mit deutscher und russischer Staatsbürgerschaft wirft die Bundesanwaltschaft versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vor. Er soll drei Sprengsätze in einer Hecke an der Straße vor dem Hotel deponiert haben. Als der BVB-Mannschaftsbus diese Strecke auf dem Weg zum Stadion passierte, soll der Beschuldigte die Sprengsätze per Funk gezündet haben. Die Sprengwirkung der mit Metallstiften bestückten Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen. Ein Metallstift ist den Behörden zufolge noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden worden.

In Tübingen und Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) war die Polizei im Zusammenhang mit der Festnahme des 28-Jährigen im Einsatz. Das bestätigte eine Sprecherin der örtlichen Polizei. NRW-Innenminister Ralf Jäger bezeichnete die Festnahme bei Twitter als "gute Nachricht für den Fußball". 

Abwehrspieler Bartra erlitt Verletzungen

Das Spiel gegen AS Monaco wurde nach dem Anschlag abgesagt und um einen Tag verschoben. BVB-Abwehrspieler Bartra erlitt bei der Sprengstoffexplosion einen Bruch der Speiche und diverse Fremdkörpereinsprengungen an der Hand und am Arm. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.


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