Fragen und Antworten: Wie geht es weiter mit Air Berlin?

Air Berlin hofft auf regulären Flugverkehr
Air Berlin hofft auf regulären Flugverkehr Nach Chaos wegen Krankmeldungen der Piloten 00:00:36
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Ein reibungsloser Verkauf von Air Berlin ist nicht sicher

"Hat Air Berlin noch eine Zukunft?" Es ist die große Frage, die sich nicht nur Passagiere stellen. Air Berlin stellt sie selbst, auf ihrer Website. Eine klare Antwort gibt es nicht, aber ein reibungsloser Verkauf ist alles andere als sicher. Freitag endet die Bieterfrist.

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Wer will Air Berlin kaufen?

Es gibt eine Reihe von Interessenten für die Airline, denn sie hält begehrte Start- und Landrechte. Seit längerem schon gibt es Gespräche mit der Lufthansa, die rund 90 der 144 Flugzeuge übernehmen möchte. Die Lufthansa-Tochter Eurowings sucht bereits Piloten, Co-Piloten sowie Flugbegleiter für zusätzliche Flugzeuge.

Verhandelt wird unter anderem auch mit Easyjet und Condor. Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star und Gründer der nicht insolventen Air Berlin-Tochter Niki, will laut dem österreichischen 'Kurier' mit Condor für 38 Maschinen der Air Berlin und Niki ein Angebot abgeben.

Wie sieht der weitere Zeitplan beim Air-Berlin-Verkauf aus?

ARCHIV - Niki Lauda, aufgenommen am 30.07.2016 auf den Hockenheimring in Hockenheim (Baden-Württemberg) in der Boxengasse während des Qualifyings. (zu dpa "Von Kampfansagen und rauchenden Colts - Wie weiter bei Air Berlin?" vom 14.09.2017) Foto: Uli
Auch Niki Lauda hat Interesse an Air Berlin, immerhin gründete er das Tochterunternehmen Niki © dpa, Uli Deck, ude jai nic htf

"Wir streben eine Lösung im Gläubigerausschuss am 21. September an", bekräftigte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann trotz der jüngsten Chaostage. Der Verkauf soll schnell unter Dach und Fach, denn mit der Insolvenz gingen die Buchungen zurück. Nach den zahlreichen Flugausfällen wegen einer Krankheitswelle der Piloten schwindet das Vertrauen in die Airline. Zwar gibt es einen 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes, der bis Ende November reichen soll. Doch das ist die Annahme von vor vier Wochen, eine aktualisierte Prognose gibt es nicht.

Was wollen die Gewerkschaften bei Air Berlin erreichen?

Bislang scheint es sehr wahrscheinlich, dass ein großer Teil des fliegenden Personals bei neuen Arbeitgebern unterkommen kann. Umstritten jedoch sind Vorgehensweise und künftige Bedingungen. Einige Berufsgruppen fürchten Einkommensverluste von bis zu 50 Prozent. Teure, alte oder aufmüpfige Kräfte - so befürchten viele - könnten aussortiert werden. Daher wollen die Gewerkschaften die Personalauswahl kollektiv regeln - mit einem Sozialplan. Die Chancen dafür stehen schlecht. Die Bieter wollen eigentlich nur die Flugzeuge zu verbesserten Leasing-Konditionen übernehmen und dafür dann auf dem freien Markt Personal anheuern.

Steckt hinter der Krankheitswelle bei Air Berlin ein illegaler Streik?

Einiges spricht dafür, dass die zahlreichen Flugausfälle eine gezielte Aktion der Piloten waren. Der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft ist davon überzeugt. In dieser Logik haben Air Berlin und mögliche Investoren eine Kampfansage der Piloten erlebt. Ähnliches hat es vor einem Jahr beim Ferienflieger Tuifly gegeben, der in einer Gemeinschaftsfirma mit Etihad und Niki aufgehen sollte. Tuifly gab damals klein bei. Zu beweisen ist ein Streik mithilfe von Krankenzetteln nur sehr schwer, sofern nicht ein schriftlicher Aufruf entdeckt wird.