G8-Gipfel in der Sackgasse - Putin und Obama wie im Kalten Krieg

"Es ging sehr eisig zwischen den beiden zu"

Beim G8-Gipfel in Enniskillen in Nordirland versuchten die Staatslenker der großen Industrienationen plus Russland, sich auf eine gemeinsame Linie in der Syrien-Frage zu einigen. Das Vorhaben scheiterte grandios. US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin strahlten eine Kälte aus, wie man sie lange nicht gesehen hat. Von Einigung keine Spur.

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Nordirland, G8-Gipfel
Beim G8-Gipfel in Nordirland waren die Fronten zwischen Obama und Putin in der Syrien-Frage verhärtet. © dpa, Krem

Es war der verzweifelte Versuch, eine gemeinsame Linie zu finden, doch die Gegensätze zwischen den USA und Russland waren einfach zu groß. Putin protegiert Syriens Machthaber Baschar al-Assad, Obama erwägt, Teile der Rebellen besser mit Waffen auszurüsten.

"Es ging sehr eisig zwischen den beiden zu", beschrieb RTL-Chefkorrespondent Lothar Keller vor Ort die Situation. "Die Haltung der beiden blockiert jede Übergangslösung. Die Chancen auf Frieden sind nicht besonders groß", so Keller.

Immerhin konnten sie den gemeinsamen Nenner finden, dass die Gewalt beendet und die Chemiewaffen Syriens gesichert werden sollen. Beide Staatsmänner wollen die Konfliktparteien weiterhin in Genf an den Verhandlungstisch drängen. "Wir haben alle die Absicht, die Gewalt in Syrien zu beenden, die Zunahme von Opfern zu stoppen und die Situation friedlich zu lösen", sagte Putin. Die USA kündigten an, ihre humanitäre Hilfe für Syrien um 300 auf 800 Millionen Dollar (600 Millionen Euro) zu erhöhen.

Gespräche über Freihandelsabkommen zwischen EU und USA

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte eine Verdoppelung der deutschen Hilfen für syrische Flüchtlinge an. Noch in diesem Jahr würden die Mittel um 200 Millionen Euro aufgestockt. Bisher hat Deutschland für die Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen des syrischen Bürgerkrieges 190 Millionen Euro bereitgestellt.

Immerhin war zum Gipfelauftakt am Montag ein greifbarer Erfolg gelungen: Die Europäische Union und die USA wollen mit einem Freihandelsabkommen ihren 800 Millionen Bürgern mehr Wohlstand und Arbeitsplätze sichern. Die Verhandlungen dazu sollen bereits im Juli in Washington beginnen, sagte Obama. Der Startschuss für die größte Freihandelszone der Erde wurde kurz vor dem Gipfel gegeben.

Die erste Arbeitssitzung am Nachmittag galt der Lage der Weltwirtschaft. Dabei sei deutlich geworden, dass "es sehr gemeinsame Positionen gibt, was die gemeinsamen Anstrengungen für Haushaltskonsolidierung und die Möglichkeiten des Wachstums anbelangt", sagte Merkel. "Das Wachstum entsteht natürlich durch solide Finanzen, das Wachstum entsteht durch Strukturformen."

Die G8-Staaten sehen die Eurozone angesichts der Schuldenkrise auf dem Weg der Besserung. In der vorläufigen Abschlusserklärung zur Weltwirtschaft zeichnet die Gruppe der Acht ein positiveres Bild als noch im Vorjahr.

Die Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Nordirland blieben im Vergleich zu Vorgänger-Veranstaltungen deutlich kleiner. Am Montag waren nur rund 600 Demonstranten durch die Kleinstadt am Lough Erne gezogen. Einige von ihnen durchbrachen einen Sperrzaun, zogen sich dann aber nach Aufforderung durch die Polizei wieder in den zugelassenen Bereich zurück.