Gauck: "Was für ein schöner Sonntag"

Bereit für die Verantwortung

Joachim Gauck ist der neue Bundespräsident – der elfte in der Geschichte der Bundesrepublik. "Was für ein schöner Sonntag." Die Wahl verlief bei der zweiten Kandidatur Gaucks nicht ganz ohne Wermutstropfen - es gab unerwartet viele Enthaltungen -, aber im Ergebnis so, wie erwartet. Die Bundesversammlung wählte den früheren DDR-Bürgerrechtler zum Nachfolger von Christian Wulff. Diesmal glatt in einer Runde, Wulff hatte drei Wahlgänge lang zittern müssen.

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Joachim Gauck ist Budnespräsident
Joachim Gauck genießt den Moment, in dem er die Wahl zum Bundespräsidenten annimmt. © dpa, Michael Kappeler

Der 72-Jährige erhielt 991 von 1.228 gültigen Stimmen, was gut 80 Prozent entspricht. Für Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld votierten 126 Delegierte. Überraschend war jedoch, dass Gauck mindestens 103 Delegierte aus dem eigenen Lager die Stimme versagten. Insgesamt enthielten sich 108 Delegierte der Bundesversammlung. Der Kandidat der rechtsextremen NPD, Olaf Rose, bekam 3 Stimmen.

Die Verkündung des Ergebnisses durch Bundestagspräsident Norbert Lammert wurde von der Bundesversammlung mit großem Applaus begleitet. Gauck stand auf und nahm die Wahl an. Seit genau diesem Augenblick ist er als Staatsoberhaupt offiziell im Amt. "Was für ein schöner Sonntag", sagte er. Ein Ausspruch, den er auch in seiner Dankesrede kurz darauf mehrfach äußerte. Die Vereidigung ist für kommenden Freitag geplant.

Große Hoffnung in Gauck

Die Reaktionen auf die Wahl Gaucks sind vor allem geprägt von Hoffnung. Hoffnung darauf, dem Amt wieder Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu geben, Hoffnung auf frischen Wind, neue Denkanstöße und fruchtbare Diskussionen, vor allem aber Hoffnung darauf, dass er Deutschland gut tun wird.

Dies äußerte allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Gauck werde "sein Amt gut für unser Land wahrnehmen", sagte sie. Er habe die Belange der Bürger im Auge und achte zugleich die Politiker. Außerdem zeigte sie sich erfreut und erleichtert über die breite Zustimmung, die Gauck in der Bundesversammlung erhalten habe.

Auch Außenminister Westerwelle (FDP) sieht in Gauck einen Menschen, der das Ansehen Deutschlands mehren könne. Er sieht in dem Präsidenten "mit seiner Lebensgeschichte für die Freiheit auch eine Ermutigung für viele Freiheitsbewegungen in der Welt". CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt ist sich sicher, "dass er uns lehren wird, den Geschmack an der Freiheit nicht zu verlieren, da er das Salz in der Suppe einer jeden Demokratie ist."

Kurt Beck (SPD), rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, erwartet, Gauck werde "sicher seinen unabhängigen Geist bewahren und bestimmt auch manchmal überraschen". Er sei in jedem Fall ein Gewinn für unsere Gesellschaft.

Aber auch außerhalb der Politik trifft Gauck auf viel Zustimmung und die gleiche Hoffnung. Robert Zollitsch, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sieht bei Gauck "hohe Glaubwürdigkeit im Eintreten für Freiheit und bürgerliche Verantwortung". Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), erhofft sich wichtige Impulse für das öffentliche Gespräch. Außerdem sei die Sehnsucht nach einer Persönlichkeit groß, die das Amt wieder in "ruhige Fahrwasser" geleite.

Während der Veranstaltung kam durch Bundestagspräsident Lammert noch eine weitere Hoffnung zur Sprache: In einer teils unterhaltsamen Art stellte er klar, dass der Bundespräsident für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird und vorzeitige Rücktritte nicht die Regel werden dürften. Es gelte, "die politische Realität wieder näher an die Verfassungsnorm zu bringen", sagte er. Über die zurückliegenden Jahre sagte Lammert, es gebe "durchaus Anlass für selbstkritische Betrachtungen, nicht nur an eine Adresse".

Bereits zum Auftakt der Bundesversammlung schlug Lammert vor, den Präsidenten künftig am 18. März zu wählen oder zu vereidigen - dem Datum der Bürgerrevolution 1848 und der ersten freien DDR-Volkskammerwahl 1990. Bisher wird üblicherweise am 23. Mai,dem Verfassungstag, gewählt.

Am Ende scheint es ein durchweg glücklicher Tag zu sein. Glücklich für Gauck, die Regierung, für die Bundesversammlung, für die Menschen, für Deutschland. "Was für ein schöner Sonntag."


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