Geiseldrama von Karlsruhe: Wie kam er an das Waffenarsenal?

War die Frau schon vor der Geiselnahme tot?

Nach dem Geiseldrama mit fünf Toten in Karlsruhe steht die Stadt noch unter Schock. Wie konnte es zu dem Blutbad kommen, und woher hatte der Täter die Waffen?

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Geiseldrama von Karlsruhe
Eine Obduktion der Opfer soll weitere Aufschlüsse über den Tathergang liefern. © dpa, Jan-Philipp Strobel

Von einer Auswertung der Spuren am Tatort erhoffen sich die Beamten Aufschluss zur Herkunft der Waffen. Zudem gehen sie Zeugenaussagen nach, wonach schon am Vorabend Schüsse in der Wohnung gefallen sein sollen. Die Beamten schließen nicht aus, dass die Freundin des Täters schon vor der Geiselnahme von diesem erschossen wurde. Klarheit soll eine Obduktion am Freitag bringen. "Denkbar ist, dass er vor den Scherben seines Lebens gestanden ist", sagte ein Polizeisprecher zu den Motiven des Täters.

Ein 53-Jähriger hatte am Mittwoch bei einer Zwangsräumung der Wohnung seiner Freundin den Gerichtsvollzieher, einen Mitarbeiter des Schlüsseldienstes und den neuen Wohnungseigentümer erschossen. Die Freundin wurde mit einem Brustschuss tot im Bett gefunden. Am Ende erschoss sich der Täter selbst.

Der Elsässer hatte nach Angaben der Polizei schon seit Jahren mit der 55-Jährigen in deren Wohnung gelebt. Beide waren arbeitslos. Die Frau war mit den Zahlungen an die Hausgemeinschaft im Rückstand, im April war die Wohnung zwangsversteigert worden. Die 55-Jährige sollte in eine Übergangsunterkunft der Stadt ziehen. "Von dem Mann wussten wir nichts", sagte ein Stadtsprecher. Er war nicht offiziell gemeldet.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann die Geiselnahme und die Ermordung seiner Opfer lange zuvor geplant hat. Er war nicht wegen Gewaltdelikten vorbestraft, vor Jahren hatte er aber einen Ladendiebstahl verübt, bei dem er ein Messer dabei hatte.

Täter war illegaler Waffenbesitzer

Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) teilte mit, dass der mutmaßliche Täter kein Jäger war: Er war weder bei der Waffen- noch bei der Jagdbehörde in Deutschland gemeldet und besaß keinen Europäischen Feuerwaffenpass, hieß es in einer Mitteilung. Demnach handelt es sich wahrscheinlich um einen illegalen Waffenbesitzer. Auch hat der Mann wohl keine Jagdwaffen besessen.

Mit Hilfe der deutsch-französischen Polizeistelle in Kehl wollen die Fahnder herausfinden, woher der Täter die Waffen hatte. Der Geiselnehmer hatte die französische Staatsbürgerschaft. Er hatte ein Schrotgewehr, ein Gewehr mit langem Magazin, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate.

Der DJV forderte die Politik auf, verstärkt gegen illegalen Waffenbesitz vorzugehen und wies auf Defizite bei der europäischen Harmonisierung des Waffenrechts hin. In Deutschland müssen Jäger und andere legale Waffenbesitzer spätestens alle drei Jahre eine Kontrolle ihrer persönlichen waffenrechtlichen Zuverlässigkeit über sich ergehen lassen. Zudem werden Jäger beim Lösen ihres Jagdscheins überprüft. Das deutsche Waffengesetz gilt als eines der strengsten weltweit.


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