Genervt vom Gender-Wahn: Mehrheit der Deutschen lehnt geschlechtsneutrale Sprache ab

Symbolische Gleichstellung der Geschlechter: Schild an einer Toilette in Kalifornien zeigt an, dass diese Toilette von allen Geschlechtern gleichermassen genutzt werden kann, aufgenommen im Februar 2016.
Von der Idee gut, bei der Umsetzung ist noch Luft nach oben: Die geschlechtsneutrale Sprache kommt bei den Deutschen noch nicht so gut an. © picture alliance / Frank Duenzl, Frank Duenzl, duen rf

Nur eine Minderheit hält gendergerechte Sprache für wichtig

FreundInnen, Schüler*innen, Mitarbeiter/innen: Viele sind genervt von der geschlechtsneutralen Sprache. Nur eine Minderheit hält gendergerechte Sprache für wichtig, vor allem Menschen zwischen 35 und 44 Jahren sind dagegen. Warum ist die gendergerechte Sprache trotzdem sinnvoll?

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Von Jutta Rogge-Strang

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der DPA (Deutsche Presse Agentur) zeigt: Die Deutschen sind genervt vom geschlechtsneutralen Wahnsinn. Allerdings sind die Meinungen geteilt, je nach Alter oder Geschlecht. Ganze 42 Prozent der Befragten lehnen die "Verlängerung" zum Beispiel mit Sternchen (*innen) voll und ganz ab, nur 23 Prozent sind eher dafür. Dabei sind hauptsächlich Männer dagegen (23 Prozent), aber nur 14 Prozent der Frauen.

Je nachdem, wie alt die Befragten sind, gibt es ebenfalls Unterschiede: Die meisten Befragten zwischen 35 und 54 Jahren lehnen die neuen Begriffe ab (rund 20 Prozent), bei den Jungen sind es hingegen nur 12 Prozent (18-24 Jahre). Dabei werden die genderneutralen "Verlängerungen" von einem Drittel niemals benutzt, und nur fünf Prozent nutzen die Bergriffe immer. 

Gute Idee, schwierige Umsetzung

Dabei ist der geschlechtsneutrale Begriff durchaus sinnvoll, wenn auch schwierig in der Praxis: Viele kritisieren die gegenderten Texte als schwer lesbar. Es trete der Inhalt hinter der Form zurück, und durch die besondere Betonung der Geschlechtsneutralität werde der Unterschied nicht aufgehoben, sondern zementiert.

Peter Eisenberg vom Institut für Germanistik an der Universität Potsdam kritisiert in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass niemand das Recht habe in eine Sprache einzugreifen. Studierende, GärtnerInnen, Geflüchtete - Eisenberg lehnt Regeln ab, die es im Deutschen nicht gibt, die frei erfunden sind: "Solche Eingriffe in die Sprache sind typisch für autoritäre Regimes, aber nicht für Demokratien."

Gerechte Sprache

Auch die neutrale Form hat ihre Tücken. Schriftsteller Max Goldt erklärt es so: "Studierende: Menschen, die an einer Universität einem Studium nachgehen, heißen Studenten. (..) Wie lächerlich der Begriff 'Studierende' ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: 'In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende.' Oder nach einem Massaker an einer Universität: 'Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden.' Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren."

Die Gender-Politik will in erster Linie Geschlechtergerechtigkeit, und dagegen kann man nichts haben. Studien beweisen, dass sich Frauen tatsächlich mehr angesprochen fühlen, wenn die weibliche Form genannt wird. Kein Mann würde sich angesprochen fühlen, wenn in einer Email steht: Liebe Mitarbeiterinnen!

Politsch korrekt zu sein ist gut, aber anstrengend. Und häufig verkommen die geschlechtsneutralen Begriffe zum Selbstzweck. Das nervt, aber wie sieht die alte Praxis aus? Hier ein paar Beispiele. An wen denken Sie, Männer oder Frauen? "Der Brief geht an alle Mathelehrer." oder "Putzfrau gesucht". Ziemlich eindeutig, oder? Dann doch lieber ein bisschen genervt sein!