Germanwings-Absturz jährt sich: Ausgerechnet heute will Lubitz' Vater die Unschuld seines Sohnes beweisen

Germanwings: Lubitz' Vater lädt Angehörige nicht ein
Germanwings: Lubitz' Vater lädt Angehörige nicht ein Er will seinen Sohn rehabilitieren 00:03:20
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Angehörige der Opfer haben keine Einladung bekommen

An diesem Freitag vor genau zwei Jahren zerschellte Germanwings-Flug 4U9525 um 10.41 Uhr an einer Felswand in den französischen See-Alpen. 150 Menschen verloren ihr Leben. Die Ermittler haben keinen Zweifel, dass Copilot Andreas Lubitz den Airbus absichtlich abstürzen ließ. Sein Vater dagegen schon. Genau am Jahrestag tritt Günter Lubitz in Berlin vor die Presse, um die Unschuld seines Sohnes zu beweisen. Die Angehörigen der Opfer sind nicht eingeladen.

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"Es ist uns egal, weil die Toten davon auch nicht wiederkommen"

Während die Angehörigen in Südfrankreich heute den Verstorbenen um 10.41 Uhr in einer Schweigeminute gedenken, will Lubitz' Vater fast zur selben Zeit ab 10.30 Uhr seine Sicht der Dinge erläutern. Dann ist es auf die Minute zwei Jahre her, dass der letzte Funkspruch des Unglücksfluges einging.

Viele Angehörige kritisieren das Vorgehen der Lubitz-Familie und empfinden die Pressekonferenz heute als Provokation. Vasili Bryjak hat bei dem Absturz vor zwei Jahren seinen Vater verloren. "Was auf dieser Pressekonferenz geschieht, das wissen wir selbst nicht. Aber das ist uns auch egal, weil davon die Toten auch nicht wiederkommen", erzählt er. Ohnehin werden die meisten Angehörigen Lubitz' Ausführungen wegen der Gedenkveranstaltung nicht folgen können.

"Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen"

Worum es Günter Lubitz in dem Termin geht, hat er bereits vorher klargemacht: "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen", sagte Günter Lubitz der 'Zeit' vorab in einem Interview. "Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit."

Bei der Argumentation lässt sich Familie Lubitz vom Luftfahrt-Journalisten Tim van Beveren unterstützen. Er hat ein Gutachten erstellt, die 17.000 Seiten an Ermittlungsakten durchgearbeitet und sei "vernachlässigten Aspekten" nachgegangen, heißt es in einer Ankündigung zur Pressekonferenz.​

Affront gegen Opfer des Germanwings-Absturzes
Affront gegen Opfer des Germanwings-Absturzes Pressekonferenz von Lubitz' Vater 00:02:28
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Lufthansa sieht Pressekonferenz als Affront

Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa hat für die Veranstaltung kein Verständnis. Das Unternehmen hat alle Angehörigen zum Gedenkgottesdienst an den Absturzort eingeladen und fliegt sie auf eigene Kosten dorthin. Die Aktion der Lubitz-Familie sieht Lufthansa laut 'Spiegel' als Störung der Gedenkzeremonie und als Affront gegen die getöteten Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Eine Live-Übertragung der Pressekonferenz soll es auf Wunsch von Lubitz' Vater nicht geben - "aus Gründen der Pietät", sagte er der 'Bild'.