Germanwings-Absturz: Todes-Pilot übte den Sinkflug

"Man kann daraus schließen, dass er handlungsfähig war"

Todespilot Andreas L. hat den Absturz vermutlich "geübt". Der Copilot des abgestürzten Germanwings-Fluges hat den Autopiloten nach Ermittlerangaben bereits auf dem Hinflug nach Barcelona mehrfach auf eine zu niedrige Flughöhe eingestellt. Dies sei während eines angeordneten Sinkflugs geschehen, heißt es im Zwischenbericht der französischen Untersuchungsbehörde Bea.

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Germanwings-Absturz
Helfer bergen Wrackteile: Co-Pilot L. soll den Sinkflug geübt haben © Reuters, HANDOUT

Außerdem bestätigt die vollständige Auswertung der Flugschreiber, dass der Copilot beim Unglücksflug 4U9525 am 24. März noch kurz vor dem Aufprall in Südfrankreich den Steuerknüppel ganz leicht bewegte - über die Absicht wollen die Ermittler nicht spekulieren. Auswirkungen hatte dies wegen des laufenden Autopiloten nicht. Zuvor erhöhte der Copilot laut dem Bericht mehrfach die Geschwindigkeit. "Man kann daraus schließen, dass er handlungsfähig war, und dass alle seine Handlungen den gleichen Sinn hatten, nämlich das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen", sagte Bea-Direktor Rémi Jouty in Le Bourget bei Paris. Zu bemerken waren diese Manipulationen auf dem Hinflug außerhalb des Cockpits nicht: "Das hätte man weder als Passagier noch von der Flugsicherung her merken können", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Wahl. Nur der Pilot hätte etwas mitbekommen können - dazu hätte er aber im Cockpit sein müssen.

Der A320 der Lufthansa-Tochter war am 24. März auf dem Rückweg von Barcelona nach Düsseldorf in den Alpen zerschellt. Zuvor hatte der Copilot einen Sinkflug bis auf 100 Fuß (gut 30 Meter) eingeleitet. Er hatte nach bisherigen Erkenntnissen die Cockpit-Tür blockiert und den Flugkapitän damit ausgesperrt.

Strenge Regeln für Änderung der Flughöhe

Laut dem Bericht nutzte der Copilot schon auf dem Hinflug eine Abwesenheit des Piloten, um den Höhenregler mehrmals kurz auf 100 Fuß zu stellen. Dies geschah während eines ohnehin von der Flugsicherung angeordneten Sinkflugs, deshalb seien für Lotsen und Crew keine ungewöhnlichen Flugbewegungen zu beobachten gewesen.

Auch zur Krankheitsgeschichte des Copiloten enthält der Bericht Details. So war in der Pilotenlizenz des 27-Jährigen ein Hinweis auf seine medizinische Vorgeschichte vermerkt. L. war wegen Depressionen behandelt worden. Sein Flugtauglichkeitszeugnis sei deshalb vom flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa im April 2009 nicht verlängert worden, erst Ende Juli desselben Jahres wurde er demnach für tauglich erklärt.

Will ein Pilot die vorgesehene Flugroute oder -höhe verlassen, muss er sich an genaue Vorschriften halten. Er darf nur dann von der Strecke abweichen oder in einen Steig- oder Sinkflug übergehen, wenn ihm der zuständige Fluglotse das erlaubt, wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung im hessischen Langen erläutert.

Einzige Ausnahme: eine Notsituation, zum Beispiel ein Gewitter. In einem derartigen Fall teilt der Pilot dem Lotsen mit, wie er das Unwetter umfliegen will. Der Lotse erteile dann nach Prüfung die Freigabe, da nur er das gesamte Bild im Flugraum im Blick habe, erklärte die Sprecherin. Das gleiche Prinzip gelte auch für Notlandungen, da der Lotse dafür sorgen müsse, dass keine anderen Maschinen in dieser Situation in diesen Luftraum hineingelassen werden.


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