Gewaltige Detonation: Meteorit trifft Russland - etwa 1.200 Verletzte

15.02.2013 | 15:07
Meteoriteneinschlag, Russland Meteoriteneinschlag in Russland hinterlässt weiße Rauchspur am Himmel.

Knall in rund 10.000 Meter Höhe

Erst Lichtblitze, dann eine gewaltige Detonation: Beim Einschlag eines Meteoriten am Uralgebirge sind etwa 1.200 Menschen verletzt worden, davon über 200 Kinder, denn auch eine Schule wurde getroffen. Die meisten Verletzten seien von Scherben zersplitterter Scheiben getroffen worden. Zwei Menschen wurden von einem Fensterrahmen getroffen und schweben in Lebensgefahr.

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Gesteinsbrocken fielen wie Feuerbälle auf die Erde. Der Meteorit zischte über den Horizont und hinterließ eine lange weiße Rauchwolke, die sogar im 200 Kilometer entfernten Jekaterinburg zu sehen war. Das Katastrophenschutzministerium sprach von einem "Meteoritenregen in Form von Feuerbällen".

Insgesamt seien in mindestens sechs Städten in der Region rund 1.500 Kilometer östlich von Moskau Schäden an über 3.000 Gebäuden festgestellt worden, hieß es laut Behörden. Die Meteoritenteile seien in zahlreiche Häuser eingeschlagen und hätten Dächer und Scheiben zertrümmert. Viele Menschen sind nun schutzlos der Winterkälte ausgesetzt. In ersten Schätzungen gingen die Behörden von einem Schaden von einer Milliarde Rubel aus, rund 25 Millionen Euro, wie Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch sagte.

Teile des Meteoriten seien auch in eine Schule von Tscheljabinsk eingeschlagen. Auch dort seien Menschen durch zerborstenes Glas verletzt worden. Ernste Folgen gab es demnach aber nicht. Behörden ordneten die Schließung aller Schulen der Region an.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach dem Meteoriteneinschlag am Ural rasche Hilfe für die Verletzten in der Region Tscheljabinsk angeordnet. Besonders wegen der Eiseskälte um die minus 20 Grad müssten die beschädigten Gebäude umgehend wieder winterfest gemacht werden.

Keine Möglichkeit, solche Objekte abzuwehren

Meteorit, Tscheljabinsk Eine zerstörte Fabrikhalle in Tscheljabinsk.

Nach Behördenangaben war am Freitagvormittag ein Knall in rund 10.000 Meter Höhe zu hören. "Dann gab es einen Blitz, ich sah ein Rauchfahne am Himmel und spürte die Druckwelle, die Fensterscheiben eindrückte", sagte Andrej, der seine Freundin an einer Bushaltestelle in Tscheljabinsk verabschiedete. Alarmanlagen von Autos gingen los, und Mobiltelefone funktionierten nicht mehr richtig. Atomanlagen der Gegend seien nicht betroffen, teilte der Staatskonzern Rosatom laut Agenturberichten mit.

Laut Esa geschah der Meteoriteneinschlag unabhängig von dem Asteroiden, der knapp an der Erde vorbeigerast ist. "Das ist etwas völlig anderes", sagte ein Sprecher, "Flugbahn und Ort des Anschlages sprechen dagegen."

Einen Meteoriten-Einschlag wie den in Russland hat es nach Einschätzung der Esa noch nicht gegeben. Alle paar Monate schlügen Objekte auf der Erde auf. "Meistens passiert das aber über dem Ozean, über den Wüsten oder in Sibirien." Aufgrund der enormen Verletztenzahl ist es die größte Katastrophe, die in den vergangenen Jahrhunderten von einem herabfallenden Himmelskörper verursacht wurde.

Vizeregierungschef Dmitri Rogosin sprach sich für eine internationale Initiative zur Errichtung eines Schutzsystems aus, mit dem nicht nur frühzeitig vor gefährlichen Objekten aus dem Weltall gewarnt, sondern diese auch zerstört werden können.

Weder Russland noch die USA hätten die Möglichkeit zur Abwehr solcher Objekte, meinte der für die Raumfahrt zuständige Politiker. Eine Kommission der russischen Rüstungsindustrie werde sich nun mit dieser Frage befassen, kündigte Rogosin an.

Für Verwirrung sorgte in diesem Zusammenhang die Aussage eines Ministeriumsmitarbeiters, der behauptete, es habe eine Warn-SMS gegeben. Dem widersprach eine Sprecherin des russischen Katastrophenschutzministeriums: "Es gab keine SMS-Warnung vom Meteoriten. Wir haben die Informationen auch erst weitergeben können, als es schon passiert war. Der Mitarbeiter des Pressezentrums, der diese Lüge verbreitet hat, wird entlassen."

Bildquelle: dpa bildfunk