Griechenland droht das Euro-Aus

IWF dreht Geldhahn zu – Merkel gegen neues Hilfspaket

Eine Staatspleite Griechenlands wird immer wahrscheinlicher. Die Bundesregierung bezweifelt inzwischen offen, dass das Land in der Eurozone bleiben kann. Ein weiteres Hilfspaket für Athen sei für Kanzlerin Merkel inzwischen undenkbar, heißt es aus Berlin. Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Eurozone sind längst kein Tabu mehr.

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Griechenland, Euro, Pleite
Ist Griechenland noch zu retten? Die Anzeichen mehren sich, dass die Geldgeber des vom Staatsbankrott bedrohten Euro-Landes die Geduld verlieren. © dpa, Oliver Berg

Die wichtigsten Geldgeber des Landes, darunter vor allem Deutschland, sind der 'Süddeutschen Zeitung' (SZ) zufolge nicht mehr bereit, der Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen. Das Gleiche gelte für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor hatte bereits der 'Spiegel' berichtet, dass sich der IWF nicht an weiteren Hilfen beteiligen wolle. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone angesichts der Lage nicht mehr für unwahrscheinlich.

Die EU-Kommission hat solche Spekulationen allerdings umgehend dementiert. "Griechenland muss und wird in der Euro-Zone bleiben", sagte ein Kommissionssprecher.

Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut 'SZ' erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe. Grund sei, dass während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien. Außerdem entstehe durch die von der neuen Regierung geforderte verlängerte Zeitspanne zur Umsetzung der Reformen ein erhöhter Finanzbedarf.

Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro reichten somit nicht mehr aus. Die Zeitung zitierte aus Berliner Regierungskreisen, es sei "undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet".

Auch Schäuble und Rösler sehen schwarz

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich dagegen aus, Griechenland mehr Zeit einzuräumen. "Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen", sagte er der 'Bild'-Zeitung. Für Bundeswirtschaftsminister Rösler hat ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone "längst seinen Schrecken verloren". Er sei mehr als skeptisch, dass Athen die Auflagen erfüllen könne, sagte er in einem ARD-Interview. "Wenn Griechenland seine Auflagen nicht mehr erfüllt, dann kann es keine weiteren Zahlungen geben." Griechenland sei dann zahlungsunfähig und vielleicht kämen die Griechen dann von selbst darauf, auszutreten.

Derzeit untersucht die 'Troika' aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF, inwieweit das Land seinen Reformverpflichtungen nachkommt. Athen hofft auf Geldspritzen im August und September in Höhe von 12,5 Milliarden Euro.

Die griechische Koalitionsregierung war im Juni mit dem festen Ziel angetreten, die Fristen der für die Milliardenhilfen auferlegten Sparauflagen neu zu verhandeln. Ziel ist es, die von den Geldgebern geforderten Sparmaßnahmen über 11,5 Milliarden in den Jahren 2013 und 2014 auf die Jahre 2015 und 2016 zu verteilen.

Der 'Spiegel' hatte berichtet, dass nach Schätzungen der 'Troika' zusätzliche Hilfen zwischen zehn und 50 Milliarden Euro gebraucht würden, sollten die Griechen mehr Zeit bekommen. Viele Regierungen der Euro-Zone seien jedoch nicht mehr bereit, neue Lasten zu schultern. Zudem hätten Länder wie Holland und Finnland ihre Hilfen daran gekoppelt, dass sich der IWF beteiligt.

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben allerdings noch keine Hinweise darauf, dass der IWF sich nicht an weiteren Hilfen beteiligen will. Man habe keine solchen Signale vom IWF, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Zunächst müsse der Bericht der Troika abgewartet werden.


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