Griechenland: Hängepartie um Schuldenschnitt

Einigung mit Gläubigern verzögert sich
Die Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt bleiben trotz des enormen Zeitdrucks eine Hängepartie. © dpa, Tobias Kleinschmidt

Einigung mit Gläubigern verzögert sich

Bis zu ihrem Treffen am Montag wollten die EU-Finanzminister endlich ein Abkommen über die Reduzierung der griechischen Schulden sehen. Doch eine Vereinbarung der griechischen Regierung mit ihren privaten Gläubigern über deren Beteiligung an einem Schuldenerlass verzögert sich.

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Der Verhandlungsführer des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, habe Athen verlassen, hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen. Die Gespräche würden am Wochenende telefonisch fortgeführt. Eine Einigung wird es aber frühestens nächste Woche geben.

Ziel des angestrebten Schuldenschnitts ist, Griechenland um 100 Milliarden Euro zu entlasten. Das Land sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von rund 352 Milliarden Euro. Das entspricht 161 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Erlaubt sind nach den EU-Spielregeln eigentlich allenfalls 60 Prozent. 206 Millarden davon befinden sich in den Händen von Privatleuten, Banken, Versicherungen und Hedgefonds. Sollte der Schuldenschnitt gelingen, können die Schulden nach Schätzungen der EU und des Internationalen Währungsfonds IWF zunächst auf 152 Prozent fallen. Bis 2020 sollen sie auf 120 Prozent sinken - allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft nach mehrjähriger Rezession ab 2013 wieder deutlich wächst. Dies jedoch ist bislang nicht in Sicht.

Ackermann warnt vor Spätfolgen der Schuldenkrise

Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen die privaten Gläubiger freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Die privaten Gläubiger, darunter Banken und Hedgefonds, sollen bestehende Anleihen in neue tauschen, dabei auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen.

Genau darin soll das Problem der endlosen Verhandlungen liegen: Informationen aus Bankkreisen deuteten darauf hin, dass die Geldgeber aus dem Euroland sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) noch niedrigere Zinsen fordern. Anderenfalls werde Griechenland nie auf eigenen Beinen stehen können. Zunächst soll es eine Vereinbarung gegeben haben für einen Zinssatz von im Durchschnitt vier Prozent für 30-jähre Laufzeit. Danach soll es aber eine Intervention seitens des IWF gegeben haben, um den Zinssatz auf weniger als drei Prozent zu drücken, was die Banken wiederum nicht hätten akzeptieren wollen.

Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird der angestrebte Schuldenschnitt Europa auch auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. "Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt - und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren", so Ackermann.

"Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden." Die Beteiligung privater Gläubiger sei aus politischen Gründen notwendig gewesen. "Anders hätte es im Deutschen Bundestag keine Mehrheit für das Rettungspaket gegeben", sagte Ackermann. "Aber klar ist auch, dass dies eine historische Trendwende markiert: Europäische Staatsanleihen waren bisher mündelsicher."


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