Großbritannien erlaubt Drei-Eltern-Babys: Methode soll Erbkrankheiten vermeiden

Ausnahmeregelung für 2.500 Frauen

Als einziges Land der Welt hat Großbritannien das sogenannte Drei-Eltern-Baby erlaubt. Bei der vom Parlament mit großer Mehrheit genehmigten Methode wird bei einer befruchteten Eizelle eines Elternpaares die mitochondriale Erbsubstanz der Frau durch die einer anderen weiblichen Eizelle ersetzt.

- Anzeige -
Großbritannien erlaubt Drei-Eltern-Babys
In Großbritannien könnten zukünftig einige Babys drei Eltern haben - um ohne Erbkrankheiten zur Welt zu kommen. © dpa, Waltraud Grubitzsch

So soll erreicht werden, dass Gendefekte, die schwere Erbkrankheiten verursachen oder eine Geburt unmöglich machen können, nicht weitergegeben werden. Die Erlaubnis des Parlaments beschränkt sich auf Eltern, bei denen der Gendefekt nachgewiesen wurde. Betroffen sind in Großbritannien rund 2.500 Frauen.

Befürworter der Methode machten deutlich, die Mitochondrien als Kraftwerke in der menschlichen Erbsubstanz - außerhalb des Zellkerns gelegen - enthielten keine charakterbildenden Erbinformationen. Das Leiden vieler Familien könne gelindert werden. Gegner, darunter die anglikanische Kirche von England, machten ethische Bedenken geltend. Ärzte seien so in der Lage, in die Natur einzugreifen und Designerbabys zu kreieren.

Eine ähnliche Methode war in den USA bereits einmal legalisiert, 2002 aber wieder verboten worden.

"Das wäre großartig!"

Vicky Holliday und ihr Mann Keith könnten von der Methode profitieren. Ihre zwölf Monate alte Tochter Jessica leidet an einer seltenen Erbkrankheit, an der sie in wenigen Jahren sterben wird. "Das ist kaum zu ertragen. Umso weniger, wenn einem die Ärzte auch noch sagen, dass jedes weitere Kind auch diese Erbkrankheit bekommen kann", sagt Vicky.

Doch die Zustimmung des britischen Parlaments für das umstrittene Verfahren der künstlichen Befruchtung, gibt dem Paar Hoffnung, dass ihren zukünftigen Kindern das Schicksal der erstgeborenen Jessica erspart bleiben könnte. Mutter Vicky erklärt, "wenn wir die erste Familie sein dürften, die dieses Verfahren anwendet, wäre das großartig." Jessicas Geschwister könnten die ersten in Großbritannien sein, die nicht nur eine leibliche Mutter, sondern außerdem eine genetische Mutter haben.