Großdemo gegen Präsident Mursi - Ägypter haben Angst vor Gewalt

30.06.2013 | 08:35
Mursi Jahrestag Amtsantritt Großdemo Viele Ägypter fordern nach einem Jahr im Amt den Rücktritt von Präsident Mursi.

22 Millionen Unterschriften gegen Mursi gesammelt

Zum Jahrestag des Amtsantritts von Präsident Mohammed Mursi spitzt sich in Ägypten die Lage dramatisch zu. Viele Menschen haben Angst vor möglichen Gewaltausbrüchen bei den Demonstrationen, berichtete die Zeitung 'Al-Ahram' online. Überall herrsche Furcht, sagte auch eine Korrespondentin des arabischen Senders 'Al-Dschasira. Die Angst sei spürbar, meinte sie. Viele Menschen gingen aus Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen nicht zur Arbeit. Geschäftsleute schlossen ihre Läden und Büros aus Furcht vor Gewalt und Zerstörung.

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Tausende von Gegnern der islamistischen Regierung sind aus der Provinz nach Kairo gereist, um an den Massenprotesten gegen Mursi teilzunehmen. Das Nachrichtenportal 'youm7' meldete, die Organisatoren der zentralen Kundgebung auf dem Tahrir-Platz hätten die Straßen rund um den Platz mit Metallgittern und Sandsäcken abgesperrt. Mit wehenden Fahnen und lautstarken Sprechchören machen mehr als 300.000 Ägypter gegen ihren Präsidenten Mohammed Mursi Stimmung. Über dem Platz kreisten Armeehubschrauber, vor staatlichen Einrichtungen zogen Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen auf.

Die Menschen wollen für und gegen Mursi demonstrieren. Noch ist die Stimmung in der Hauptstadt friedlich. Mehrere Demonstrationszüge sollen durch die Stadt ziehen, einige von ihnen haben den Präsidentenpalast in Heliopolis zum Ziel. Anhänger von Mursi kamen vor einer Moschee im Osten der Hauptstadt zusammen. Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Port Said und in der Tempelstadt Luxor gingen Menschen auf die Straßen.

Die Zeitungen beschrieben die Stimmung mit dramatischen Überschriften: "Der längste Tag" hieß es bei 'Al Gomhurija', staatliche Zeitungen titelten: "Ägypten im Griff der Angst" und "Ägypten auf einem Vulkan". Viele unabhängige Zeitungen gaben die Positionen der Mursi-Gegner wider. "Ein Jahr ist genug" und "Rote Karte für den Präsidenten" oder "Der jüngste Tag".

Die Protestbewegung 'Tamarod' (Rebellion) sammelte nach eigenen Angaben 22 Millionen Unterschriften gegen Mursi, der am 30. Juni 2012 vereidigt worden war. Bei Protesten gegen den Präsidenten waren am Freitag mindestens drei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden.

Ausländer verlassen in Scharen das Land

Ein führender muslimischer Geistlicher warnte Mursi-Gegner und -Anhänger vor einem Bürgerkrieg. "Gewalt, Mord, Brandstiftung und Blutvergießen sind verdammenswert", sagte das Oberhaupt des einflussreichen Al-Azhar-Islam-Instituts, Scheich Ahmed al-Tajjib.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt und rief die ägyptischen Behörden auf, für die Sicherheit der amerikanischen Botschaft und der Konsulate zu sorgen. Obama forderte während eines Besuchs in Südafrika, Demonstranten und Sicherheitskräfte sollten Zurückhaltung üben und der Gewalt abschwören. "Wir unterstützen friedliche Proteste und friedliche Methoden, im Land Wandel zu schaffen", sagte er nach einem Gespräch mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in Pretoria.

Das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Staatsbürgern "nachdrücklich", während und nach den angekündigten Großdemonstrationen "besondere Vorsicht walten zu lassen und den jeweiligen Einzugsbereich der Demonstrationen (…) weiträumig zu meiden".

Auf dem internationalen Flughafen in Kairo herrschte Hochbetrieb. Sämtliche Flüge in die USA, nach Europa und in die Golfstaaten waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen ausgebucht. Auch Mitarbeiter und Familienangehörige der US-Botschaft - insgesamt 45 Personen - verließen den Angaben zufolge das Land unter anderem in einer Maschine nach Frankfurt/Main. Das US-Außenministerium warnte Amerikaner vor nicht unbedingt nötigen Reisen nach Ägypten.

Bildquelle: dpa bildfunk