"Guten Tag, Herr Professorin!": Gender-Wahn an der Uni Leipzig

Sprachreform mal andersrum

Alle männlichen Professoren sind jetzt Professorinnen. Der Rektor wird zur Rektorin – zumindest an der Universität Leipzig. Hier werden die männlichen Kollegen künftig mit weiblichen Titeln angeredet, auch in offiziellen Schreiben. Die bisher übliche Schrägstrichvariante, wie etwa Professor/Professorin, wird abgeschafft. Das berichtet das Magazin 'Spiegel'.

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Uni Leipzig beschließt Sprachreform
"Guten Tag, Herr Professorin!": Weibliche Titel für Männer © dpa, Waltraud Grubitzsch

Die bundesweit einzigartige Sprachreform ist angeblich weniger eine politische Entscheidung, sondern Zufall. Vorgeschlagen hat sie ausgerechnet ein Mann. Physikprofessor Dr. Josef Käs war die zähen Verhandlungen im Senat leid, wie die neue Grundordnung formuliert werden sollte. "Professoren/Professorinnen" - vor allem die Juristen in der Runde störten sich an der mangelnden Lesbarkeit der politisch korrekten Ausdrucksweise.

Da machte Professor Käs kurzerhand den Vorschlag, ausschließlich die weibliche Form einzusetzen. Eigentlich eher ein Scherz, doch der Senat stimmte zu. "Ich hätte niemals gedacht, dass der erweiterte Senat das beschließt, denn bei anderen Themen zur Familienfreundlichkeit und Frauenförderung ist er sonst eher behäbig", so der Gleichstellungsbeauftragte der Uni Leipzig, Georg Teichert.

Eine Fußnote ergänzt in Zukunft, dass die feminine Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt. Sofern der Wissenschaftsminister nicht innerhalb von vier Monaten widerspricht, heißt es in Leipzig dann auch weiterhin offiziell: "Guten Tag, Herr Professorin!"

"Ich sehe das als Notwehr"

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Friederike Maier von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin ist begeistert: "Ich sehe das als Notwehr. Wir haben an unserer Hochschule die Vorschrift, geschlechtergerecht zu formulieren. Also nutzen viele die männliche Formulierung und machen eine Fußnote, dass auch Frauen gemeint sind. Ich fühle mich damit nicht mitgemeint".

Doch nicht jeder teilt die Begeisterung über die Sprachreform. "Das ist ein Feminismus, der der Sprache nicht gut tut und inhaltlich nichts bringt", kritisiert der Jurist Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern. Auch der Gleichstellungsbeauftragte der Uni Leipzig, Georg Teichert, glaubt nicht, dass sich die Verwendung weiblicher Titel die Einstellung vieler Professoren verändern kann. "Nur weil die Grundordnung geändert wird, ändert sich noch nichts an den tatsächlichen Verhältnissen." Vielleicht schärfe die Diskussion aber zumindest das Bewusstsein für Frauenförderung. Denn das Thema habe die Hochschule lange verschlafen.