Guttenberg weist neue Plagiatsvorwürfe zurück

Aufsatz von 2004 enthält fremde Passagen

Kaum hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Öffentlichkeit zurückgemeldet, werden neue Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit einem Aufsatz aus dem Jahr 2004 laut. Er räumte zwar ein, dass für den Text fremde Quellen genutzt worden seien - es habe sich aber nicht um eine wissenschaftliche Leistung, sondern um ein außenpolitisches Papier gehandelt, sagte Guttenberg der 'Welt am Sonntag'. "Und selbstverständlich wurden hierbei bestehende, fremde Quellen genutzt, da ja lediglich die politische Meinung unterfüttert werden sollte."

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Neue Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)
Neue Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Der Ex-Verteidigungsminister soll schon 2004 in einem Aufsatz fremde Passagen genutzt haben. © dpa, David Ebener

Mitarbeiter der Plattform GuttenPlag werfen Guttenberg dagegen vor, beim Verfassen des Aufsatzes 2004 ähnlich fehlerhaft wie bei seiner Dissertation 2006 gearbeitet zu haben. Auf bisher 13 von 23 Seiten des Essays hätten die Plagiatsjäger Passagen aus Zeitungsartikeln, EU-Papieren und Bundestagsdokumenten gefunden, sagten die Netzaktivisten der 'Welt am Sonntag'.

Der Aufsatz war damals in der Zeitschrift 'aktuelle analysen' der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung erschienen. Guttenberg erklärte, der Text sei unter Hilfe seiner Mitarbeiter im Bundestagsbüro entstanden und ursprünglich als Argumentationspapier für die CSU-Landesgruppe entworfen worden.

Staatsanwaltschaft: Kein Hinweis auf bewusste Täuschung

Die GuttenPlag-Mitarbeiter kritisieren dagegen, in kleiner Form spiegele sich in dem Aufsatz das "Bauprinzip der Doktorarbeit" wider. Sie halten die Erklärung Guttenbergs, er habe bei seiner Dissertation schlicht den Überblick verloren, für gelogen.

Bei ihren Ermittlungen gegen Guttenberg ist die Staatsanwaltschaft Hof laut 'Spiegel' nicht von absichtlicher Urheberrechtsverletzung ausgegangen. In der Begründung heiße es, Guttenbergs Erklärung, er habe schlicht den Überblick verloren, sei "nachvollziehbar und jedenfalls nicht zu widerlegen". Zudem fielen sehr viele Plagiatsstellen nicht unter den Schutz des Urheberrechts, weil die nötige "schöpferische Eigentümlichkeit" fehle, so die Staatsanwaltschaft.

Guttenberg war vor neun Monaten wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass er zahlreiche Passagen von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth sprach von Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab.