Hamburg: Die Wohnung war eher eine Waffenkammer

Wie bekommt man eine schalldichte Telefonzelle in die Wohnung?

Sprengstoff, Handgranaten, eine schalldichte Telefonzelle und mit Stacheldraht gesicherte Fenster - was die Hamburger Polizei im Stadtteil Barmbek vorfand, glich eher einer Waffenkammer als einer Wohnung. Ein 30-Jähriger hatte eine Frau in seine Gewalt gebracht, um sie in einer Art Folterverlies festzuhalten. Zu seinen Motiven schweigt der verhaftete Entführer.

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In Hamburg fand die Polizei eine regelrechte Folterkammer in einer Wohnung vor.
Diese Telefonzelle holten die Ermittler aus dem Folterzimmer des Hamburger Entführers. © dpa, Ralf Jakobs

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Offenbar hatte Thomas F. in seiner 42 Quadratmeter kleinen Wohnung alles für eine längere Gefangenschaft vorbereitet: Die Fenster mit Stacheldraht abgesichert, eine schalldichte Telefonzelle und größere Lebensmittelvorräte in der Wohnung angelegt. Er hatte sich mit Handschellen, einer Pistole und einer Handgranate ausgerüstet. Laut 'Hamburger Morgenpost’ lagerte der Irre auch gynäkologische Instrumente und Kanülen in seiner zwei-Zimmer-Wohnung. Damit liegt eine grausame Frage nahe: Ist der 30-Jährige ein Sex-Sadist?

Und niemand in der Nachbarschaft will etwas gemerkt haben. Wie ist das möglich? Kann der Mann alleine gehandelt haben? Wie hat er die Telefonzelle in seine Wohnung bekommen? Die Polizei geht dennoch davon aus, dass er ein Einzeltäter ist. Ihm mögen Menschen geholfen haben, doch die schätzt die Polizei als Ahnungslose ein.

Die Nachbarn müssen davon ausgegangen sein, dass die Einzelteile, die der Täter über einen längeren Zeitraum in die Wohnung brachte, keinen Verdacht erregten. Nur in der Summe wurde das Ausmaß sichtbar.

Der Entführer kannte sein Opfer nur flüchtig

Thomas F. war festgenommen worden, nachdem er am Freitag eine ihm bekannte 26-jährige Frau in seine Gewalt gebracht hatte. Er hatte die vier Jahre jüngere Frau mit Handschellen gefesselt und mit einer Waffe in seine Wohnung im Hochparterre eines Mehrfamilienhauses in Hamburg-Barmbek gezwungen. Hier hielt er die Frau für rund zwei Stunden gefangen.

Opfer und Täter hatten sich im Mai über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt und seitdem unregelmäßig Kontakt gehabt. Eine engere Beziehung zwischen Täter und Opfer habe es "definitiv" nicht gegeben, betonte Streiber. Die Frau konnte sich schließlich in einem unbeobachteten Moment mit einem Sprung aus dem Fenster durch den Stacheldraht retten. Der Täter folgte ihr, doch das Opfer konnte entkommen. Nachbarn alarmierten die Polizei, die den Mann schließlich festnahm. Gegen ihn erging Haftbefehl wegen versuchter Geiselnahme.

Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. "Wir prüfen jetzt, ob der Mann auch für andere Straftaten in Frage kommt oder möglicherweise Vorbereitungen dafür getroffen hat", sagte Streiber. Der 30-jährige Deutsche ist bei der Polizei kein Unbekannter. "Er ist wegen unterschiedlicher Delikte bekannt", sagte der Polizeisprecher. Dazu gehörten Körperverletzung, Betrug und Stalking.