Hartz IV: Jobcenter verhängen mehr als eine Million Sanktionen

So viele Sanktionen wie nie zuvor

Die Jobcenter greifen durch: Innerhalb eines Jahres haben sie so viele Strafen gegen Hartz-IV-Empfänger verhängt wie nie zuvor. Erstmals habe es von August 2011 bis Juli dieses Jahres mehr als eine Million Leitungskürzungen gegeben, berichtet die 'Süddeutsche Zeitung' und beruft sich auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

- Anzeige -
Hartz IV: Rekord-Sanktionen
Langzeitarbeitslosen werden vor allem wegen Versäumnissen die Bezüge gekürzt. © dpa bildfunk, unbekannt

Laut der Statistik ist die Zahl der Strafen verglichen mit 2009 um 38 Prozent auf 1,017 Millionen angestiegen. Im Schnitt seien die staatlichen Leistungen um 106 Euro gekürzt worden. Eine BA-Sprecherin führte die starke Zunahme auf "konsequentere und professionellere Arbeit" der Behörde zurück. Das Personal in der Behörde wechsle weniger häufig als früher. So könnten die Vermittler mehr Termine mit den von ihnen betreuten Menschen vereinbaren.

Der Hartz-IV-Satz für Singles beläuft sich auf 374 Euro. Dem Bericht zufolge wurden mehr als zwei Drittel der Sanktionen mit Meldeversäumnissen begründet, etwa wenn ein Hartz-IV-Empfänger zu einem Beratungstermin ohne Grund nicht erschienen sei. Nur etwa jeder siebte Bestrafte habe sich laut Statistik geweigert, eine Arbeit oder einen Ein-Euro-Job anzunehmen.

Laut der BA-Sprecherin sollten die Zahlen nicht überbewertet werden. Bei einer Missbrauchsquote von 3,2 Prozent bundesweit hielten sich 96,8 Prozent der 4,35 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher an die Gesetze. Mit 4,7 Prozent ist die Missbrauchsquote im Juli 2012 in Berlin mit Abstand am höchsten gewesen. Am geringsten ist die Quote mit 2,5 Prozent in Bremen.