Heftiges Schreiduell vor Gericht

Angriffslustig: Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn.
Angriffslustig: Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn. © dpa, Uwe Anspach

19. Verhandlungstag in Mannheim

Vor dem Landgericht Mannheim geht der Prozess um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann in die nächste Runde. Und diese Redensart aus dem Boxsport findet immer mehr Berechtigung angesichts der Strategie, die Kachelmanns neuer Verteidiger Johann Schwenn anwendet: Austeilen, austeilen, austeilen.

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Und so ging es am 19. Verhandlungstag auch gleich gut los. Schwenn hielt nicht nur den an sich schon spektakulären Antrag der Verteidigung, die Redaktionen der Zeitschriften 'Bunte' und 'Focus' durchsuchen zu lassen, aufrecht, er setzt noch einen drauf und will sogar die Staatsanwaltschaft als Zeugen laden! Schwenn vermutet bei 'Bunte' und 'Focus' entlastendes Material und wirft der Staatsanwaltschaft vor, dem 'Focus' Aktenkunde gegeben zu haben.

Dabei warf er Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge und Oberstaatsanwalt Oskar Gattner "Verdächtigenverhalten" und sagte, die beiden seien "verdächtiger als Herr Kachelmann".

Eine weitere Attacke Schwenns richtete sich gegen eine Zeugin, die ebenfalls behauptet ein Kachelmann-Opfer zu sein, aber nur in der Schweiz vernommen werden will. Im Zusammenhang mit dieser Zeugin hätte die Staatsanwaltschaft "erhebliche Unterlagen" zurückgehalten. Schwenn pocht nun darauf, die Staatsanwälte als Zeugen zu laden, es sei ein "intransparentes Verfahren".

Richter: "Unangemessen und anmaßend"

Eine Vernehmung der Zeugin in der Schweiz lehnt Schwenn ab, das sei eine "stille Post der Staatsanwaltschaft". Da es beim Vorwurf der Zeugin um ein ähnliches Tatgeschehen wie im Fall Sabine W. gehen soll, erhoffe sich die Staatsanwaltschaft wohl, die Defizite bei der Aussage von Sabine W. zu kaschieren. Oberstaatsanwalt Gattner keilte sichtlich wütend zurück: "Sie können hier nicht von Ihrem Recht auf Narrenfreiheit Gebrauch machen!"

Doch auch dies war noch nicht der Höhepunkt von Schwenns Vorstellung. Er warf der Kammer vor, sie würde "Tatverdächtigen folgen". Das sollte einen Verteidiger normalerweise nicht stören, Schwenn meinte allerdings damit nicht seinen Mandanten Kachelmann, sondern bezeichnete in diesem Falle die Staatsanwaltschaft als 'Tatverdächtige'. Daraufhin sagte der Vorsitzende Richter Seidling, er lasse sich hier nicht die Verhandlungsführung aus der Hand nehmen, das sei "unangemessen und anmaßend". Daraufhin erwiderte Schwenn: "Sie müssen sich vor Augen halten, dass sie minutiös das von der Staatsanwaltschaft vorgebrachte Beweisprogramm nachbeten."

Das ganze gipfelte in großer Schreierei zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft, an deren Ende Schwenn betonte: "Feindlichkeit ist kein Persönlichkeitszug, den ich mir anhängen lasse." Oltrogge will ein nun ein Protokoll der Äußerungen von Schwenn erstellen lassen, Gattner wirft Schwenn vor, er stelle haltlose Spekulationen in den Raum.

Im weiteren Verlauf des Tages sollen ein Fernseh-Kollege Kachelmanns und ein Heidelberger Rechtsmediziner als Zeugen vernommen werden. Man darf gespannt sein, wie die Vernehmungen sich nach Schwenns Auftritt gestalten werden.


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