Historischer Besuch in Berlin: Obama wirbt für stärkere Zusammenarbeit

Zwischen Jubel und Kritik

50 Jahre nach John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner" und 26 Jahre nach Ronald Reagans "Mr. Gorbatschow, tear down this wall" (deutsch: Reißen Sie diese Mauer ein) erhoffen sich die Deutschen viel vom Besuch des Jahres. US-Präsident Barack Obama ist in Berlin, seine Grundsatzrede zur amerikanischen Außenpolitik wird mit Spannung erwartet. Doch einst als Lichtgestalt umjubelt, muss er sich nun auch offener Kritik stellen.

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Gauck und Obama im Schloss Bellevue
Arm im Arm lassen sich Bundespräsident Gauck und US-Präsident Obama im Schloss Bellevue ablichten. © dpa, Wolfgang Kumm

Zum offiziellen Auftakt seines Besuchs wurde Obama von Bundespräsident Joachim Gauck vor seinem Amtssitz, dem Schloss Bellevue, begrüßt. Dort trug sich Obama in das Gästebuch ein und wurde im Park des Schlosses mit militärischen Ehren empfangen. Anschließend begrüßten Gauck und Obama Schüler der sechsten Klasse der Berliner John F. Kennedy Schule per Handschlag. Beide posierten Arm in Arm für Erinnerungsfotos - die Kinder jubelten den beiden Präsidenten mit US- und Deutschland-Fähnchen zu. Danach zogen sie sich zu einem Gespräch zurück.

Nach dem Gauck-Empfang ist der US-Präsident mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt zusammengetroffen. Obama küsste Merkel zur Begrüßung auf die Wangen und legte ihr vertraut seine Hand auf den Rücken. Nach dem Gespräch sind eine gemeinsame Pressekonferenz und ein Mittagessen unter vier Augen vorgesehen.

Indes besichtigte Obamas Frau Michelle mit ihren Töchtern Malia und Sasha sowie Barack Obamas Halbschwester Auma das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die 49-jährige Präsidentengattin interessiert sich bei ihrem ersten Besuch in der deutschen Hauptstadt für die Geschichte. Deswegen besuchte Obamas Familie auch die Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße, die als Symbol der deutschen Teilung gilt. Mit dabei war auch der Ehemann der Kanzlerin, Joachim Sauer.

Auf dem Besuchsprogramm Obamas steht zudem ein Treffen mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Mit Spannung wird jedoch vor allem seine Rede am Brandenburger Tor erwartet, zu der mehr als 4.000 geladene Gäste erwartet werden und die als Höhepunkt des 25-Stunden-Besuchs in Berlin gilt. Im Schloss Charlottenburg beschließt ein festliches Abendessen den Tag.

Obama will "Energie heraufbeschwören"

Wichtigste Themen seines Besuchs sind die aktuellen Krisenherde wie der Iran und Syrien sowie das amerikanische Internet-Spähprogramm 'Prism'. Doch vor allem bei letzterem muss er sich heftiger Kritik stellen: Unionsfraktionschef Volker Kauder verlangte umfassende Aufklärung über die Datensammlung durch den US-Geheimdienst NSA. Er gehe davon aus, dass Kanzlerin Merkel das Thema mit Obama besprechen werde. Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte in der 'Rheinischen Post': "Die Bundeskanzlerin muss dem US-Präsidenten unmissverständlich klarmachen, dass die weltweite Überwachungsoffensive der NSA inakzeptabel ist."

Bei seiner Rede am Brandenburger Tor wolle Obama den Westen an seine Verantwortung für die Welt erinnern, sagte sein stellvertretender Sicherheitsberater, Ben Rhodes. "Es ist ein Aufruf an die Bürger und Regierungen, zu tun, was notwendig ist, damit wir in den kommenden 50 Jahren so viel Erfolg haben wie in den vergangenen 50."

Obama wolle durch die Erinnerung an das Vergangene eine "Energie heraufbeschwören", die sich auf die Herausforderungen der Zukunft anwenden lasse, sagte Rhodes. Konkret denke er an Themen wie die Eindämmung von Atomwaffen in der Welt oder den Klimawandel. Eine Rolle spiele auch der gemeinsame Anti-Terror-Kampf, die Lösung von Konflikten sowie die Notwendigkeit, demokratische Werte über die westliche Welt hinaus zu verbreiten. "Die Botschaft, die er senden möchte, ist, dass es manchmal bequem ist zu denken, die Geschichte läge hinter uns", sagte Rhodes.

Aus Sorge vor einem Anschlag sind bis zu 8.000 Polizisten im Einsatz. In der Hauptstadt gilt die höchste Sicherheitsstufe 1+. Wegen des insgesamt 25-stündigen Besuchs sind viele Straßen und Plätze in der Hauptstadt gesperrt. Die zentralen Stationen des Besuchs sind extrem gesichert. Gegen den Besuch des Präsidenten wurden auch einige Protestkundgebungen angemeldet.


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