HIV-Schutz auf Rezept: 'Truvada‘ könnte viele Leben retten

Truvada soll das HIV-Risiko senken
Truvada soll das HIV-Risiko senken Durchbruch in der Forschung? 00:01:30
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Das Medikament ‘Truvada‘ ist jetzt auch in der EU zugelassen

Eine kleine blaue Tablette gibt vielen Menschen Hoffnung. Das Vorsorge-Medikament mit dem Namen 'Truvada' ist in den USA bereits seit 2012 zugelassen. In Südafrika wird es seit diesem Jahr herausgegeben. Dort bekommen es vor allem Prostituierte, die einem hohem Risiko ausgesetzt sind, sich mit AIDS anzustecken. In der EU ist die Pille jetzt auch zugelassen, bei uns in Deutschland soll sie allerdings zunächst nur für bestimmte Risikogruppen und nur auf Rezept verkäuflich sein.

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Eine 'Truvada'-Therapie kostet 800 Euro pro Monat

Neue Pille gegen Aids: Truvada
Ist diese Pille ein Durchbruch in der HIV- und AIDS-Forschung? © dpa, Gilead Sciences, st uw gfh

'Truvada' kann AIDS nicht heilen - das Medikament kann allerdings das Risiko senken, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Der Mediziner Dr. Heiko Jessen erklärt: "'Truvada' verhindert, dass eine Anzahl von Viren sich vermehren kann, die durch Sex oder Nadelverletzungen in den Körper gekommen sind. Die wenigen Viren, die eintreten, werden also sofort abgefangen und an der Vermehrung gehindert." 

Schätzungsweise sterben in Deutschland jährlich knapp 500 Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion. Weltweit sind es sogar 1,1 Millionen. Das neue Medikament soll die Zahlen reduzieren. Doch die neu Pille ist noch sehr teuer. Holger Wicht von der Deutschen AIDS Hilfe weiß: "'Truvada' kostet im Moment 800 Euro im Monat, das ist unerschwinglich für die meisten Menschen. Wir brauchen eine Lösung, um das zu finanzieren. Entweder über die Krankenkassen oder die Preise müssen so weit runter, dass sich das Medikament jeder leisten kann."

Holger Wicht betont darüber hinaus, dass die blaue Pille eine Prophylaxe darstellt, die für die Menschen gedacht ist, die ein sehr hohes HIV-Risiko haben. Also Menschen, die aus verschiedenen Gründen häufig ungeschützten Sex haben, mit Personen, die HIV-positiv sind. Das seien in Deutschland vor allem schwule Männer.

Täglich eingenommen senkt die Pille das Risiko einer HIV-Ansteckung Studien zufolge um 86 Prozent. Allerdings schützt sie nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Deshalb raten Experten auch weiterhin zusätzlich zur Verhütung mit einem Kondom.