Höchststrafe für den 'Maskenmann'

Lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für Kindermörder

Er wurde als 'Maskenmann' bekannt, weil er seine Opfer mit einer schwarzen Sturmhaube maskiert überfiel. Drei Jungen ermordete der 41-Jährige, die erste Tat liegt 20 Jahre zurück. Zahlreiche weitere Kinder missbrauchte er. Jetzt haben ihn die Richter in Stade zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ob Martin N. jemals wieder frei kommt, ist ungewiss.

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Maskenmann Martin N.: Lebenslang
Das Gericht hat den als 'Maskenmann' bekannt gewordenen Kindermörder Martin N. zu lebenslanger Haft verurteilt. © dpa, Carmen Jaspersen

Das Landgericht Stade ordnete Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft an. Martin N. kommt erst dann wieder in Freiheit, wenn Gutachter feststellen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Es handele sich um besonders verwerfliche Taten, sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp. Deshalb stellten die Richter bei ihm die besondere Schwere der Schuld fest.

Mit ihrem Urteil schlossen sich die Richter den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Auch die Verteidigung hatte für die Höchststrafe plädiert, Sicherungsverwahrung aber abgelehnt. "Ihnen steht ein langer Weg bevor", sagte Appelkamp am Ende der etwa eineinhalb Stunden langen Urteilsverkündung, während der Angeklagte die ganze Zeit regungslos auf die Tischplatte starrte. Auch als der Richter sich direkt an Martin N. wandte, blickte er nicht auf.

Opfer reagierten erleichtert

Die Missbrauchsopfer und die Eltern der getöteten Jungen reagierten erleichtert auf das Urteil. "Das ist ein Abschluss", sagte ein 26-Jähriger aus Bremen, an dem sich Martin N. vor fast 17 Jahren vergangen hatte. "Ich kann anfangen, alles zu verarbeiten - ein normales Leben zu führen." Vor etwa einem Jahr hatte er den entscheidenden Hinweis zur Festnahme gegeben.

Auch die Mutter vom dritten Opfer Dennis K. will einen Schlussstrich ziehen. "Sie hofft, dass sie sich jetzt wieder ihrem Leben widmen kann", sagte ihre Anwältin. Sie sei froh, dass alles vorbei sei.

Die meisten der ihm vorgeworfenen Verbrechen hatte der gebürtige Bremer zu Prozessbeginn gestanden. Mit einer schwarzen Sturmhaube maskiert und dunkler Kleidung getarnt war Martin N. nachts in Häuser, Ferienheime und Zeltlager eingestiegen, um sich an Kindern zu vergehen. Drei Opfer entführte er erst, dann missbrauchte und tötete er sie: 1992 den 13-jährigen Stefan, 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001 den neunjährigen Dennis K.

Er tötete die Jungen nach Ansicht der Kammer, um andere Straftaten zu verdecken. Denn nichts fürchtete Martin N. mehr, als dass seine sexuelle Vorliebe für kleine Jungen auffliegen würde. "Insbesondere fürchtete er die Ächtung von seiner Mutter", sagte Appelkamp. "Diese Aufdeckung wollte er mit allen Mitteln verhindern."

Fast zwei Jahrzehnte führte der Pädagoge ein Doppelleben, ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Tagsüber kümmerte er sich als Betreuer auf Ferienfreizeiten und in Heimen liebevoll um seine Schützlinge. Nachts verwandelte er sich in den 'Maskenmann'.

Die Polizei hatte jahrelang vergeblich nach dem Serientäter gesucht. Fast zehn Jahre nach dem letzten Mord brachte schließlich ein früheres Missbrauchsopfer die Polizei auf die Spur von Martin N. Im vergangenen Frühjahr schnappten ihn die Fahnder in Hamburg. Im Verhör gab sich der Pädagoge dann als der gesuchte Serientäter zu erkennen.