"Ich wollte ihm etwas Gutes tun": Zen-Priester (62) wegen 30-fachen Kindesmissbrauch angeklagt

Der Angklagte Hans D. verbirgt am 16.06.2017 in Augsburg (Bayern) im Landgericht sein Gesicht mit einer Akte. Dem Zen-Priester wird mehrfacher sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Foto: Stefan Puchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Prozessbeginn gegen Zen-Priester wegen sexuellen Missbrauchs © dpa, Stefan Puchner, puc nic

Bevor Hans D. als Zen-Priester arbeitete, war er Polizist

Dieser Fall macht sprachlos: Der Zen-Priester Hans D. (62) soll reihenweise Kinder sexuell missbraucht haben. Anscheinend nutzte der Geistliche seine Autorität gezielt aus, um sich an den Kindern vergehen zu können. Die Staatsanwaltschaft wirft Hans D. Kindesmissbrauch in 30 Fällen vor, in fünf davon soll es sich um schweren Missbrauch handeln. Bevor Hans D. als Zen-Priester arbeitete, war er Polizist. 

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Der Zen-Priester nutzte seine gesellschaftliche Stellung gezielt aus, um Kinder zu missbrauchen

Seine ungeheuerlichen Taten flogen auf, nachdem er die zwei Söhne einer Bekannten sexuell missbraucht hatte. Die Mutter der Kinder hatte sich an Hans D. gewandt, nachdem ihr Ehemann gestorben war. In ihrer Trauer suchte sie bei dem Zen-Priester Halt. Die Frau ließ sich schließlich auf eine Beziehung mit Hans D. ein - und dieses familiäre Verhältnis nutzte er offenbar aus, um sich den beiden Jungen unsittlich nähern zu können.

Vor dem Gericht Augsburg zeigte sich, dass Hans D. seine gesellschaftliche Stellung immer und immer wieder missbrauchte. So soll er sich auch an einem Flüchtling vergangen haben, den er im Kirchenasyl kennengelernt hatte. Seine sexuellen Übergriffe soll Hans D. mit der Kamera festgehalten haben. Die pornografischen Bilder versuchte er vor Gericht offenbar herunterzuspielen, indem er sie als einen künstlerischen Akt berzeichnete, obgleich sie vielmehr Beweisstücke für seine Vergehen sind. "Die Vergänglichkeit des Augenblicks wollte ich festhalten", sagte Hans D. 

Bei einer Hausdurchsuchung stieß die Kripo auf zahlreiche Kinder- und Jugendpornos aus dem Netz, die Staatsanwaltschaft spricht von rund 2.800 Dateien. 

"Ich wollte ihm was Gutes tun"

Hans D. bestritt die Taten vor Gericht nicht, er legte ein umfassendes Geständnis ab. Dadurch bleibt etlichen seiner Opfer nun eine Aussage vor Gericht erspart. Während des Prozesses versuchte der Zen-Priester, das schier Unfassbare zu erklären. Den sexuellen Missbrauch von allein sieben Jungen als spiritueller Leiter einer buddhistischen Gemeinschaft aus dem Kreis Augsburg räumte er ein. "Es schmerzt mich sehr, dass ich soviel Leid verursacht habe", erklärte Hans D. 

Der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch hatte zuvor kritisiert, dass er bei den Ermittlungen jedoch nur ein unzureichendes Geständnis abgelegt hatte. Er habe sich selbst als "Opfer" dargestellt, dessen Fehler es gewesen sei, nicht rechtzeitig "Stopp" gesagt zu haben. Dies reiche nicht, um den bei den Taten zwischen vier und 13 Jahre alten Opfern eine Zeugenaussage vor Gericht zu ersparen, betonte der Richter. Daraufhin gab der Zen-Priester alle in der Anklage aufgelisteten Fälle zu.

Verstörend muten die Erklärungen an, die er für den sexuellen Missbrauch vor Gericht anführte. So missbrauchte Hans D. einmal in seinem Tempel einen drogenabhängigen Jugendlichen, den er bei sich aufgenommen hatte, während gemeinsamer Atemübungen. "Ich wollte ihm was Gutes tun, es hört sich so blöd an", sagte der Angeklagte. Die Verhandlungen werden am 30. Juni weitergeführt. Nach dem umfangreichen Geständnissen von Hans D. wird nun erwartet, dass das Urteil schneller als geplant fällt.