Ingolstadt: Geiselnahme in Rathaus beendet

Zugriff durch SEK, weil sich die Situation zuspitze

Die Geiselnahme im Rathaus von Ingolstadt ist beendet. Nach Angaben der Polizei sind die beiden letzten Geiseln unverletzt frei. Der 24 Jahre alte Geiselnehmer wurde von den Spezialkräften niedergeschossen und festgenommen. Der Mann soll als Stalker eine Rathausmitarbeiterin verfolgt haben. Der vorbestrafte Mann hat laut Polizei schon längere Zeit massive psychische Probleme.

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Ingolstadt: Geiselnahme in Rathaus beendet
Das Rathaus in Ingolstadt wurde zum Schauplatz einer Geiselnahme. © dpa, Peter Kneffel

Der mit einer Pistolen-Attrappe und einem größeren Messer bewaffnete Täter hatte zwei Männer und eine Frau seit den Vormittagsstunden festgehalten. Eine vierte Geisel hatte er unmittelbar nach Beginn des Geiseldramas bereits freigelassen. Seit mehr als einem Jahr soll der Mann der Rathausmitarbeiterin nachgestellt haben.

Mehrere Stunden nach Beginn des Dramas kam am frühen Nachmittag Ingolstadts Dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck nach langwierigen Verhandlungen frei. Bei der Befreiung der anderen beiden Geiseln hatten die Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) auf den Geiselnehmer geschossen und ihn an einer Schulter und einem Bein getroffen. Die Verletzungen waren allerdings nicht lebensbedrohlich.

Die Polizei hatte sich für einen Zugriff durch das SEK entschieden, weil sich die Situation zuspitzte. Die Einsatzkräfte hätten die Aussagen des Täters nicht mehr eindeutig zuordnen können. "Wir haben auf Zeit spielen können und das bewusst genutzt", sagte Ingolstadts Polizeivizepräsident Günther Gietl. Die Polizei wollte eine Situation wie im Jahr 2009 im Straubinger Hochsicherheitsgefängnis verhindern. Damals hatte ein Häftling eine Therapeutin als Geisel genommen und vergewaltigt.

Das SEK hatte sich zuvor seit den Vormittagsstunden im Umfeld des Rathauses auf den Zugriff vorbereitet. Mehr als 200 Polizisten hatten den Rathausplatz weitläufig abgesperrt, Geschäfte mussten schließen. Ursprünglich sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Rahmen ihrer Wahlkampftour auf dem Rathausplatz auftreten, der Termin wurde jedoch abgesagt.

Motiv des Mannes noch unklar

Der Täter habe wegen des Stalkings der Mitarbeiterin Hausverbot im Rathaus gehabt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). In den vergangenen Wochen sei der Konflikt eskaliert, nachdem der Mann gegen das Hausverbot verstoßen habe. "Der Begriff Stalker erscheint mir etwas verharmlosend, weil er doch eine ganze Liste von Vorstrafen hat, die weit über das hinausgeht, was man als Stalking bezeichnet", sagte Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU) über den 24-Jährigen. Er sei wegen Körperverletzung und Bedrohungsdelikten bekannt.

Das Motiv des Mannes ist noch unklar. "Er möchte, dass wir einen Bescheid aufheben", sagte Rathauschef Lehmann. Unklar sei aber, ob es dabei um das Hausverbot für die Ämter der Stadt gehe. Die Polizei sprach hingegen von keinen detaillierten Forderungen des Mannes. Kurz vor der Beendigung der Geiselnahme hatte er Tabletten und Essen verlangt. Daraufhin wurde ihm ein Döner ins Rathaus gebracht.