Interpol warnt vor drohenden Terroranschlägen

Hunderte Terroristen aus Gefängnissen ausgebrochen

Die weltweite Reisewarnung an US-Bürger und die Schließung von US-Botschaften in islamischen Staaten geht nach Darstellung des amerikanischen Militärs auf eine konkrete Terrorgefahr zurück. Angeblich sollen Terroristen in einem abgehörten Gespräch von einer großen Attacke gesprochen haben. "Es gibt einen bedeutenden Strom von Drohungen. Und wir reagieren darauf", sagte Generalstabschef Martin Dempsey dem Sender ABC.

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Terrorwarnung: Botschaften bleiben geschlossen.
Verschärfte Sicherheitskontrollen vor der britischen Botschaft in Sanaa. © dpa, Yahya Arhab

Die Drohungen seien gezielter als frühere. Es gebe die Absicht, westliche Ziele anzugreifen, nicht nur amerikanische. Angesichts mehrerer Gefängnis-Befreiungsaktionen in Irak, Libyen und Pakistan gab auch Interpol eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Aus den Gefängnissen seien insgesamt mehrere Hundert Terroristen und andere Kriminelle geflohen, erklärte die Internationale Polizeibehörde in Lyon.

Sie rief ihre 190 Mitgliedsländer zu Ermittlungen auf, ob die möglicherweise mit Hilfe von Al-Kaida verübten Befreiungsaktionen aufeinander abgestimmt seien oder in Zusammenhang stünden.

Erst vor wenigen Tagen hatten schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer im Nordwesten Pakistans ein Gefängnis angegriffen und mehr als 250 Häftlinge befreit. Vor zehn Tagen waren in Irak ebenfalls Dutzende Terrorverdächtige aus dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghreib und der Haftanstalt Tadschi in der Nähe von Bagdad ausgebrochen. Interpol hatte damals nach eigenen Angaben ebenfalls eine Warnung herausgegeben. Das tue man regelmäßig, hieß es.

US-Präsident Barack Obama ließ sich von Sicherheitsberaterin Susan Rice über die Lage informieren, bevor er vor seinem 52. Geburtstag zu einem Golfspiel abfuhr. Das Weiße Haus erklärte dazu: "Der Präsident ist im Verlauf der Woche regelmäßig über alle Aspekte der potenziellen Gefahr und die Gegenmaßnahmen unterrichtet worden."

Die US-Regierung hatte die bis zum 31. August befristete Reisewarnung am Freitag veröffentlicht. Darin heißt es, das Terrornetzwerk Al-Kaida oder dessen Verbündete könnten Ziele der amerikanischen Regierung oder private US-Einrichtungen angreifen. Reisenden wurde unter anderem empfohlen, sich bei den jeweiligen Botschaften in gefährdeten Staaten registrieren zu lassen.

Nach einem Bericht der 'New York Times' hat die US-Regierung elektronische Nachrichten zwischen hochrangigen Al-Kaida-Terroristen abgefangen. Das US-Außenministerium erklärte, die Terrorgefahr sei im Mittleren Osten und in Nordafrika besonders hoch. Vor allem von der Arabischen Halbinsel könnte ein Angriff ausgehen oder es könnte sich einer dort ereignen.

Botschaften bleiben geschlossen

Aus Furcht vor einem Terroranschlag bleiben 19 US-Botschaften und Konsulate in dieser Woche geschlossen. Das teilte das Außenministerium in Washington mit. Es wies aber zugleich darauf hin, dass die Maßnahme nicht auf neue geheimdienstliche Erkenntnisse vom Wochenende zurückzuführen sei. Man lasse vielmehr "eine Menge Vorsicht" walten. Am Sonntag hatten die USA 22 US-Vertretungen in islamischen Ländern von Mauretanien in Nordwestafrika bis ins südasiatische Bangladesch dichtgemacht.

Auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich schlossen ihre Botschaften im Jemen vorübergehend. Die deutsche Vertretung in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wird nach Angaben eines Außenamt-Sprechers auch heute nicht öffnen.

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Zudem nähere sich das Datum des 11. September, an dem 2001 bei den Terrorangriffen in New York und Washington rund 3.000 Menschen starben. Vor einem Jahr wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi vier US-Diplomaten getötet.

Das Auswärtige Amt in Berlin veränderte seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen für die deutschen Botschaften würden permanent der aktuellen Sicherheitslage angepasst, sagte ein Sprecher. "Wir stehen dazu in engem Kontakt zu unseren Verbündeten."

Der französische Staatschef François Hollande sagte, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Hollande rief gleichzeitig die französischen Staatsbürger im Jemen zur Vorsicht auf.