IS-Terror in Barcelona: 16 Tote und über 100 Verletzte

Polizisten und Sanitäter tragen am 17.08.2017 in Barcelona (Spanien) eine verletzte Frau über die Straße. Auf der Flaniermeile Las Ramblas ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Es hat Tote und Verletzte gegeben. Die Polizei bestätigte inz
Polizisten und Sanitäter tragen in Barcelona eine verletzte Frau über die Straße. © dpa, Oriol Duran, TH kde

Van raste in Menschenmenge

16 Menschen haben bei einem Terroranschlag am 17. und 18. August auf Barcelonas beliebter Flaniermeile Las Ramblas und in der Stadt Cambrils ihr Leben verloren. In der katalanischen Hauptstadt raste ein Lieferwagen in eine Menschenmenge. Über 100 weitere wurden verletzt, fünf von ihnen sind weiterhin in kritischem Zustand. Die katalanischen Behörden teilten lediglich mit, dass Deutsche ebenso wie Menschen aus über 20 anderen Nationen zu Schaden gekommen seien. Die Terror-Organisation IS hat den Terroranschlag für sich reklamiert: "Soldaten des Islamischen Staates" hätten die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak. 

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Verdächtige verhaftet

Augenzeugen berichteten, der Lieferwagen sei mit hohem Tempo näher gekommen, die Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen und Geschäften in Sicherheit gebracht. Die betroffene Gegend um die Flaniermeile wurde weiträumig abgesperrt. Der weiße Lieferwagen sei über 500 Meter ungebremst im Zickzack mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. "Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden", sagte eine Augenzeugin der Zeitung 'El País'. Viele Deutsche, die in Barcelona zur Zeit des Anschlags im Urlaub waren, sind bereits nach Deutschland zurückgekehrt. Wie sie den Anschlag wahrgenommen haben, sehen Sie im Video!

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Wer sind die Täter?

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont erklärte, dass inzwischen zwei Verdächtige festgenommen wurden. Der Fahrer des Lieferwagens, der am späten Nachmittag in der Fußgängerzone von Barcelona mindestens 13 Menschen getötet hat, ist weiter flüchtig. Er flüchtete offenbar zu Fuß.  

Bei den beiden festgenommenen Männern handele es sich um einen Marokkaner und einen Einwohner der spanischen Exklave Melilla, erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Beide stünden direkt in Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf dem Boulevard Las Ramblas, hätten aber nicht den Wagen gefahren. Der Anschlag in Barcelona hänge zudem mit einer Explosion in einem Wohnhaus in dem Ort Alcanar zusammen, so Trapero. Bei der Gasexplosion in der Provinz Tarragona etwa 200 Kilometer südlich waren am Mittwoch ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden. Im spanischen Badeort Cambrils konnte die Polizei einen weiteren Anschlag verhindern. Sie erschoss fünf mutmaßliche Terroristen mit Sprengstoffgürteln, die mit einem Lieferwagen Richtung Strandpromenade untwerwegs gewesen sein sollen.

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Polizei verhindert weiteren Anschlag in Spanien Fünf mutmaßliche Terroristen in Cambrils erschossen 00:02:31
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Verdächtiger bei Polizeikontrolle erschossen

Ein weiterer Verdächtiger wurde bei einer Polizeikontrolle erschossen. Er habe aber nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt. Ziel der Attacke sei es gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten. Die Polizei dementierte, dass sich ein anderer Verdächtiger in einer Kneipe verschanzt habe - entsprechende Gerüchte hatte es im Laufe des Abends gegeben. 

Zunächst war ein Mann namens Driss Oukabir von Medien als einer der Verdächtigen benannt worden. Dies wurde von der Polizei allerdings nicht bestätigt. Mittlerweile soll sich Oukabir laut Medienberichten bei den Behörden in 100 Kilometer entfernten Ripoll gemeldet haben - er sei zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in Barcelona gewesen, sein Pass sei gestohlen worden. Zuvor hatten Medien berichtet, dass in dem Tatfahrzeug ein Pass gefunden wurde. 

Innenstadt weitgehend abgeriegelt

Die betroffene Gegend in der Innenstadt Barcelonas wurde weiträumig abgesperrt. Die Beamten waren mit einem großen Aufgebot vor Ort und forderten die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. 

Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es. Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen, berichteten Augenzeugen. Die Geschäfte auf den Ramblas hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Mossos d Esquadra Police officers and emergency service workers set up a security perimeter near the site where a van crashes into pedestrians in Las Ramblas, downtown Barcelona, northeaster Spain, 17 August 2017. The number of people injured and the
Alles abgeriegelt. © imago/Agencia EFE, Andreu Dalmau, imago stock&people
Mossos d Esquadra Police officers and emergency service workers set up a security perimeter near the site where a van crashes into pedestrians in Las Ramblas, downtown Barcelona, northeaster Spain, 17 August 2017. The number of people injured and the
Menschen auf der Flucht vom Ort des Grauens. © imago/Agencia EFE, Andreu Dalmau, imago stock&people
Mossos d Esquadra Police officers and emergency service workers set up a security perimeter near the site where a van crashes into pedestrians in Las Ramblas, downtown Barcelona, northeaster Spain, 17 August 2017. The number of people injured and the
Die Sicherheitskräfte sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. © imago/Agencia EFE, Quique Garcia, imago stock&people
Sanitäter versorgen am 17.08.2017 in Barcelona (Spanien) verletzte Menschen. Auf der Flaniermeile Las Ramblas ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Es hat Tote und Verletzte gegeben. Die Polizei bestätigte inzwischen, dass es sich um eine
Die Situation ist weiterhin unübersichtlich. © dpa, Oriol Duran, TH kde

Die Bundesregierung hat sich erschüttert über den Terroranschlag in Spanien gezeigt. "In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz reagierte entsetzt: "Geschockt und wütend über Nachrichten aus Barcelona. Ein feiger Anschlag auf unsere Werte! Meine Gedanken sind bei Opfern und Angehörigen", twitterte er.