Junge Deutsche helfen Flüchtlingen: RTL-Reporterin begleitet dramatische Seenotrettungen vor libyschen Küste

Die Bilder gehören längst zum traurigen Nachrichtenalltag – und sie reißen nicht ab. Menschen, die vor Krieg, Terror, Zerstörung oder Armut mit einfachen Schlaubooten aus purer Verzweiflung über das Mittelmeer fliehen und oft die Hoffnung mit dem Tod bezahlen. In diesem Jahr erreichte die Flüchtlingswelle einen traurigen Rekord: Laut UNO-Flüchtlingshilfe starben allein bis Oktober 3740 Boots-Flüchtlinge. Was aber treibt die Flüchtenden und Retter weiterhin an? Reporterin Caro Lobig nahm mit ihrem Kameramann Timo Lendzion fünf Tage lang im Oktober an elf Rettungseinsätzen des Berliner Vereins 'Jugend rettet' auf deren Fischkutter IUVENTA vor der libyschen Küste teil. Entstanden ist eine sehr persönliche Reportage mit unfassbaren Bildern und vielen Details, die man so in den Nachrichten noch nicht gesehen hat. Die 30-minütige Reportage, in der die Berichterstatter schnell selbst zu Helfern wurden, ist am  Montag, 21.11., ab 22:15 Uhr in 'Extra' zu sehen.

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"Die Menschen sind theoretisch schon tot, wenn sie die Fluchtboote besteigen."

1580 gerettete Menschen, darunter zwei Hochschwangere, die direkt mit einem Helikopter als Notfälle nach Malta geflogen wurden und neun Kinder – das ist die beeindruckende und zugleich erschütternde Bilanz nach nur fünf Tagen Rettungseinsatz im Rahmen der "Mission Dignity", dem sechsten Einsatz der privaten Seenotrettung des jungen Berliner Vereins 'Jugend Rettet'.  

Zum Gesamtbild gehören aber auch drei Tote, unzählige Verletzte und Retter, die 56 Stunden durchgearbeitet haben und bei bis zu 8 Meter hohen Wellen selbst ein hohes Risiko eingegangen sind. Zur Realität gehören auch Bilder, die die Retter so schnell nicht mehr vergessen werden: Menschen, die bereits auf dem Boot erstickt oder verdurstet sind, deren Füße zwischen den Bodenbrettern der Boote zerquetscht oder gebrochen wurden. "Die Menschen sind theoretisch schon tot, wenn sie die Fluchtboote besteigen", so Reporterin Caro Lobig. "Bis zu 160 Menschen wurden in nur 10 Meter lange Schlauchboote gequetscht, meist ohne Schwimmwesten, ohne Proviant und ohne ausreichend Benzin." Fünf Tage würden sie von der libyschen Küste bis Lampedusa benötigen. Bereits eine Welle von einem Meter würde die Boote zum Kentern bringen. Oft platzen sie auch schon vorher. Einsatzleiter Jo Stadler: "300 Kilometer müssen die Flüchtlinge auf der Route von der libyschen Küste nach Lampedusa zurücklegen. Nach zwölf Stunden schaffen sie im Schnitt gerade ein Siebtel der Strecke.“ Ein Wettlauf gegen den Tod, den die Flüchtlinge oft nur dank der Seenotretter überleben können.

Aber auch die 13 freiwilligen Retter kommen durch die physischen und psychischen Belastungen an ihre Grenzen. Ständig gehen neue Notrufe ein, gesteuert vom Seenotkoordinationszentrum MRCC in Rom. "Fast jeder der Flüchtlinge hat irgendeine Verletzung, alle einen Sonnenstich und sehr viele haben Verbrennungen und Verätzungen da sich das Benzin mit dem Salzwasser im Boot vermischt und eine aggressive Lösung bildet", erläutert Flo Stadler.

 "Rund vier Stunden dauerte es, bis wir rund 150 Flüchtlinge an Bord und mit dem Wichtigsten versorgt hatten", so Caro Lobig, die mit ihrem Kameramann schnell selbst zum Helfer an Bord wurde. "Zum ersten Mal habe ich Menschen gesehen, die vor dem Tod geflohen und ihm auf dem Mittelmeer soeben entkommen sind. Das hat mich tief berührt."

"Abschottung ist keine Lösung."

Viele kennen die Risiken. Warum wagen sie dennoch diese tödliche Flucht? Unter den Geretteten ist auch Mohammed aus Libyen, ein Land, im dem seit Jahren Bürgerkrieg und Chaos herrscht. Er hat fünf Jahre lang hart gearbeitet, um die 1270 Euro für seine Flucht zu sparen: "Es ist gefährlich, aber im Boot überleben oder sterben wir. Vielleicht haben wir noch ein gutes Leben, vielleicht nicht. In Libyen ist das Leben auf keinen Fall gut, weil die gefährlichen Gruppen Waffen haben und andere umbringen und auch das Geld, was man hat, wird einem abgenommen."

Es sind Menschen, wie Mohammed, die nichts mehr zu verlieren haben. Für Einsatzleiter Flo Stadler steht fest: "Jeder Tote da draußen ist ein Toter zu viel. Das sind Menschen, die es gerade geschafft haben, aus dem Krieg oder Verfolgung zu entkommen und sie sterben dann vor dem Ziel, weil ein Schlauchboot platzt, sie ins Wasser fallen und nicht schwimmen können. Das ist einfach menschenunwürdig."

Reporterin Caro Lobig hat sich bereits seit Jahren mit der Flüchtlingsproblematik befasst und auch sie kommt zu dem Schluss: "Abschottung ist keine Lösung, sie wird lediglich die Fluchtwege verändern, aber nicht die Fluchtursachen beenden."


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