Kim Jong Un legt nach: Nordkorea im Kriegszustand

Rhetorik wird noch schärfer: "Provokation mündet in umfassenden Atomkrieg"

Kim Jong Un kann es nicht lassen, im Konflikt zwischen Nord- und Südkorea legte der kommunistische Machthaber aus dem Norden nach und erklärte, das Land sei im Kriegszustand.

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Nordkorea, Südkorea, Krieg
Kim Jong Uns Rhetorik wird noch schärfer: "Provokation münden in umfassenden Atomkrieg" © dpa, Kcna

Die Situation, in der auf der koreanischen Halbinsel weder Frieden noch Krieg herrsche, sei vorüber, hieß es in Pjöngjang. Jede Provokation in der Nähe der Landes- und Seegrenze mit Südkorea würde in einen "umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg" münden.

Alle Angelegenheiten zwischen beiden Staaten würden von nun an entsprechend behandelt, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten gemeinsamen Erklärung der Regierung und der Kommunistischen Partei.

Die südkoreanische Regierung entgegnete, die Drohungen seien nicht neu. Im Verteidigungsministerium in Seoul hieß es, es gebe keine Hinweise auf ungewöhnliche Aktivitäten des nordkoreanischen Militärs. Am Freitag hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang Raketeneinheiten für einen Angriff auf US-Stützpunkte in Bereitschaft versetzt.

Westerwelle: Spiel mit dem Feuer muss aufhören

Von einem Angriffsbefehl wurde zunächst nichts bekannt. Das nordkoreanische Militär warte die Befehle von Kim Jong Un ab, hieß es. Kims "wichtige Entscheidung" sei ein Ultimatum gegen feindliche Kräfte.

Erneut wurden auch die direkten Drohungen gegen die USA bekräftigt. Als mögliche Ziele wurden das Festland der USA, Hawaii und Guam sowie die in Südkorea stationierten US-Truppen genannt.

Nordkorea droht Südkorea und dessen Verbündeten USA seit Anfang März fast täglich mit Angriffen. Das südkoreanische Vereinigungsministerium, dem die Beziehungen zum Norden obliegen, erklärte, die neuen Äußerungen aus Pjöngjang seien nur eine weitere provozierende Drohung.

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des von 1950 bis 1953 dauernden Korea-Krieges formal im Kriegszustand, da sie keinen Friedensvertrag geschlossen haben. Unlängst hatte die Regierung in Pjöngjang bereits erklärt, der Waffenstillstand habe keine Gültigkeit mehr.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte Nordkorea vor einer Eskalation der Sicherheitslage. Das Verhalten des Landes sei eine ernste Gefahr für den Frieden in der gesamten Region, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastkommentar für die 'Bild'-Zeitung. Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. "Das unverantwortliche Spiel Nordkoreas mit dem Feuer muss aufhören", mahnte Westerwelle.

Russland rief alle Konfliktparteien zur "Zurückhaltung" auf. "Natürlich können uns die Spannungen an unserer östlichen Grenze nicht kaltlassen", sagte der Sondergesandte des Außenministeriums, Grigori Logwinow. Das Außenamt in Moskau schätze die Lage als "sehr angespannt und gefährlich" ein.

Trotz der jüngsten Drohung ließ Nordkorea nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul auch am Samstag wieder südkoreanische Pendler einreisen. Tag für Tag, außer sonntags, kommen Hunderte Südkoreaner in den gemeinsame Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Der Industriekomplex ist eine wichtige Deviseneinnahmequelle für das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea.


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